Presseinformation: Biodiversität
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UN-Naturschutzkonferenz: Kriterien für Meeresschutzgebiete beschlossen, Fischereistaaten blockieren Anwendung
München/Bonn, 29. Mai 2008. Am vorletzten Tag der UN-Naturschutzkonferenz (CBD) sind handfeste Beschlüsse immer noch Mangelware. Einen kleinen Durchbruch gab es bei den Schutzgebieten: Die Delegierten einigten sich auf Kriterien, um Meeresschutzgebiete auszuweisen. „Das Ziel der CBD, bis 2012 zehn Prozent der Meere unter Schutz zu stellen, ist nicht mehr zu erreichen. Die Kriterien sind ein Schritt in die richtige Richtung, doch deren Anwendung wird von den Vertragsstaaten bereits jetzt ausgebremst“, sagt Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife in Bonn.
Noch beim wissenschaftlichen Vortreffen der Konferenz im Februar in Rom weigerten sich vor allem die Fischereinationen wie Japan, China und Island, Kriterien für marine Schutzgebiete zu verabschieden. Doch nach schleppenden Verhandlungen konnten sich die Delegierten in Bonn zumindest auf die Kriterien einigen. Sie lehnten es aber ab, eine Expertengruppe einzurichten, um geeignete Gebiete auszuwählen. Stattdessen soll nun ein Workshop stattfinden, der weit weniger erreichen kann. „Dies zeigt, wie langsam die Mühlen der Konvention mahlen, während Art um Art verschwindet – besonders in den Meeren“, so die Pro Wildlife Sprecherin.
Für Pro Wildlife und andere Naturschutzverbände sind die Ziele der Konvention nicht hinreichend: „Zehn Prozent der Meeresfläche als Schutzgebiete reichen nicht aus, wenn wir die immense Artenvielfalt dauerhaft erhalten wollen. Man denke nur an die weiten Wanderungen vom Äquator bis zu den Polen, die manche Wale zurücklegen“, unterstreicht Altherr: „Wenn wir es schaffen könnten, 40 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen und diese in einem globalen Netzwerk miteinander zu verbinden, hätten wir eine realistische Chance, den Meeresbewohnern die Nahrungsgründe zu erhalten. Das klappt nur, wenn die Schutzgebiete zügig umgesetzt werden und keine Papiertiger bleiben.“
Zu den heiß diskutierten Punkten der Konferenz gehört auch eine fragwürdige Methode zur Klimastabilisierung: Industrieländer wie die USA wollen das Algenwachstum in den Ozeanen anheizen, indem sie große Mengen an Eisensulfat in die Meere leiten. Damit soll Kohlenstoff gebunden und der Treibhauseffekt vermindert werden. Umweltschützer und viele Wissenschaftler halten diese Pläne für unverantwortlich: „Niemand kann vorhersagen, was die Folgen für das komplexe und fragile Ökosystem Meer wären. Die Pläne erinnern an den Zauberlehrling, dem das Experiment schnell außer Kontrolle gerät“, sagt Altherr.
Die Ozeane sind weltweit bedroht: Korallenriffe werden vernichtet, die Fischereiflotten überfischen die Bestände, Schleppnetze ziehen auf den Meeresböden eine Spur der Vernichtung hinter sich her. Auch Schadstoffe und die Förderung von Erdöl belasten die Meere. Doch gerade Ozeane sind für die Artenvielfalt und den Klimaschutz unersetzlich: „Tropische Korallenriffe dienen als Kinderstube für zahlreiche Arten. Und die subpolaren Gebiete mit ihren Plankton- und Krill-Produktionen liefern die Grundlagen für die gesamte Nahrungskette in den Ozeanen“, erläutert die Biologin Altherr.

