Wale und Delfine
Schließt das Nürnberger Delfinarium!
Schlechte Haltungsbedingungen, 33 tote Delfine, viel Kommerz und widersprüchliche Erklärungsversuche
München, den 28. Juni 2007. Angesichts der Todesserie in Nürnberg fordern Tierschützer eine Schließung des Delfinariums und beschuldigen die Zooleitung der Irreführung der Öffentlichkeit. Die Bilanz des Nürnberger Delfinariums ist verheerend: „33 tote Tümmler – das letzte Tier vor zwei Tagen - und noch immer keine Einsicht“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Der Bevölkerung wird vorgegaukelt, dies sei völlig normal bei erstgebärenden Delfinen. Das ist zynisch und absurd!“ In Nürnberg starben allein seit Mai 2006 fünf Jungtiere kurz nach der Geburt. Pro Wildlife verweist darauf, dass wildlebende Kälber eine Überlebensrate von 76-80% haben, selbst in Gruppen mit vielen erstgebärenden Delfinen. „Der Tiergarten Nürnberg muss seine Delfinhaltung beenden!“, so das Fazit.
Die Zooleitung verstrickt sich bei ihren hilflosen und zynischen Erklärungsversuchen in Widersprüche. Die Tiergartenleitung äußerte u.a.:
- „Erstgebärende sind erfahrungsgemäß nicht in der Lage, ihr Kalb auf Anhieb zu ver-sorgen“ (Presseinfo vom 26.06.07). Fakt ist: Dies mag die traurige Erfahrung des Tiergartens Nürnberg sein. Einen Totalverlust der ersten Generation würde sich die Natur dagegen nie leisten: Bei frei lebenden Delfinen überleben laut wissenschaftlichen Studien 76 bis 80% der Kälber im ersten Jahr - und dies auch in Gruppen (sog. Schulen) mit vielen Erstgebärenden Weibchen. „In der Natur haben die jungen Weibchen die Chance, Geburt und Versorgung des Neugeborenen von anderen Tieren zu lernen – im Delfinarium dagegen werden die Tiere separiert. Den Preis zahlen die Jungtiere“, betont die Biologin Altherr.
- Bereits vor dem letzten Todesfall erklärte der Zoo: „Die Geburt von Jenny wird mit eingeschränkter Hoffnung erwartet“ (Presseinfo vom 13.06.07). Ein weiterer Todesfall war also bereits eiskalt einkalkuliert. Danach kommentierte man zynisch: „Der Tod des Kalbes kam nicht unerwartet“ (Presseinfo vom 26.06.07). „Nürnbergs Delfinarium demonstriert hier das Motto: Augen zu und durch – bis es irgendwann mal klappt. Das ist lebensverachtend“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.
- „Wir sind davon überzeugt, dass die Lebensbedingungen für unsere acht Delfine verbessert werden müssen“ (Presseinfo vom 26.06.07). Frühere Kritik von Tierschützern an der Qualität der Haltungsbedingungen wurde von der Nürnberger Delfinariumsleitung immer zurückgewiesen. „Nun aber nutzt man genau dieses Argument selbst – allerdings nicht aus Einsicht, sondern weil man sich von dem Neubau der Lagune einen Geldregen verspricht“, moniert die Pro Wildlife-Sprecherin. Schließlich erwartet der Tiergarten nicht nur einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen, sondern will auch kommerzielle Delfintherapien anbieten. „Eine Delfintherapie kann mehrere tausend Euro bringen – da geht Kommerz natürlich vor Tierschutz!“
Pro Wildlife fordert die Stadt Nürnberg auf, die Notbremse zu ziehen und den geplanten Neubau der Delfinlagune zu verhindern. In England wurden alle Delfinarien geschlossen, die Schweiz folgt diesem Trend derzeit, Kroatien erteilte im Mai 2007 dem Neubau eines Delfinariums eine Absage. „Nur in Deutschland hat man noch immer nicht begriffen, dass diese Form der Tierhaltung nicht länger vertretbar ist. Die extrem hohen Sterberaten belegen, dass Delfine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können“, so Altherr. Große Tümmler legen in der Natur täglich bis zu 100 km zurück, erreichen Spitzengeschwindigkeiten bis 55 km/h, tauchen ohne Probleme bis zu 500 Meter tief und leben in komplexen Familienverbänden. All dies ist ihnen in Gefangenschaft nicht möglich.



