Exotenhandel

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Zoogeschäfte - Wildtiere als Verschleißartikel

Mangelhafte Information zu Haltungsproblemen bei exotischen Tieren – auch bedrohte und schwer zu haltende Tiere im Angebot

München, den 28. Juni 2000 – Eine Recherche der Münchner Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife in Zoogeschäften diverser deutscher Großstädte enthüllte eine Fülle eklatanter Missstände: Reptilien, Vögel und Fische, die aufgrund ihrer Ernährungsweise, Temperatur- und Raumansprüche in Gefangenschaft kaum eine Überlebenschance haben, werden ebenso skrupellos angeboten wie Tiere, die in der Natur inzwischen sehr selten geworden sind. Eine entsprechende Aufklärung über die enormen Haltungs- und Artenschutzprobleme erfolgt nur in den seltensten Fällen. „Die Maxime in vielen deutschen Zooläden ist offensichtlich: Verkaufen, was die Natur hergibt – Verluste werden einkalkuliert!“, so das Resümee von Pro Wildlife-Expertin Dr. Sandra Altherr.

Mehrere hunderttausend Reptilien und Ziervögel (z.B. Graupapageien, s. Foto) werden jährlich nach Deutschland importiert, dazu kommen noch schätzungsweise 70 Millionen Zierfische sowie Tausende Frösche, Korallen, Skorpione und Spinnen. Der Großteil dieser Tiere stammt noch immer aus der Natur – mit hohen Verlustraten während Fang und Transport. Die überlebenden Kreaturen werden im Zooladen in oft winzigen und karg ausgestatteten Käfigen, Aquarien und Terrarien aufbewahrt, bis sich ein Käufer findet. Viele Tiere überleben diese Zeit nur durch einen starken Medikamenteneinsatz (Antibiotika, Antiparasitika). „Wildtiere werden somit zum „Verbrauchsartikel“ degradiert“, kritisiert Biologin Altherr.

Die Hauptkritikpunkte von Pro Wildlife:

  • Viele Arten werden als winzige Jungtiere verkauft, ohne auf die späteren Haltungsprobleme der riesigen ausgewachsenen Tiere einzugehen. So werden sogenannte „Mini-Haie“ (eine Wels-Art) als 5 cm lange Tiere angeboten, die mit ihrer späteren Größe von bis zu 50 cm die Dimension jedes normalen Aquariums sprengen. Ähnliche Probleme ergeben sich beim Kauf von Waranen, Wasseragamen, Krokodilen, Riesenschlangen oder grünen Leguanen, die als erwachsene Tiere kaum artgerecht gehalten werden können.
  • Die Information an den Schaukästen beschränkt sich meist auf Angabe der Art und des Preises – Ansprüche zu Futter, Temperatur. Luftfeuchte etc. fehlen in der Regel. Hierdurch wird der Kunde angeleitet, sich ausschließlich nach optischen oder preislichen Argumenten für einen Kauf zu entscheiden.
  • Einige der angebotenen Arten sind bekanntermaßen Todeskandidaten. Lauchgrüne Papagei-Amadinen (kleine Ziervögel aus Südostasien) haben eine sehr kurze Lebenserwartung in Gefangenschaft, ebenso wie Krötenechsen (beides Nahrungsspezialisten). Nach Angaben eines Händlers sterben 80 % der Halsbandleguane – in der Regel ebenfalls Wildfänge – bereits nach kurzer Zeit. Ähnlich problematisch sind z.B. Kugelfische, Kofferfische und Seepferdchen, die jedoch derzeit einen wahren Boom in deutschen Aquarien erleben.
  • Auch Wildfänge bedrohter Arten werden ohne Skrupel angeboten: Seepferdchen, Banggai-Kardinalbarsche und Kaiserfische gehören zum Sortiment eines gutsortierten Meerwasser-Aquaristik-Shops. Stachelschwanzleguane und Krötenechsen sind die Stars im Angebot von Reptilienfachgeschäften – fast immer sind dies Wildfänge.
  • Gefährliche Arten werden ohne entsprechende Hinweise angeboten. So sind Piranhas, Muränen, Krokodile, Riesen- und Giftschlangen sowie Skorpione im Handel vertreten.

Pro Wildlife betont, dass der Handel mit Wildtieren in Deutschland – über Zoogeschäfte, Internet, Tierbörsen und Kleinanzeigen nahezu unkontrolliert abläuft. „Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, sich der Verantwortung Deutschlands - als einem der größten Verbraucher exotischer Heimtiere - zu stellen und die Plünderung der Natur für hiesige Aquarien, Terrarien und Käfige endlich zu beenden“, so Altherr. Die derzeit anstehende Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes gäbe hierzu die Gelegenheit.