Presseinformation: Elefanten / CITES
Elfenbeinstreit spitzt sich zu
Tierschützer fordern klare Position Österreichs gegen geplante Lockerung des Elefantenschutzes
München, 28. Januar 2010. In einem Offenen Brief an Umweltminister Berlakovich fordern zehn Tier- und Artenschutzorganisationen eine eindeutige Absage Österreichs an die Pläne Tansanias und Sambias, den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufzuheben. „Beide Länder sind Zentren der Wilderei und des Schmuggels“, berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Die Hälfte der mehr als 21 Tonnen Elfenbein, die im Jahr 2009 beschlagnahmt wurden, kamen aus Tansania“. Im Gegenzug beantragten sieben afrikanische Länder ein striktes Handelsverbot für 20 Jahre. Über diese Anträge entscheidet die Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, englisch CITES) auf ihrer nächsten Tagung vom 13.-25. März 2010 in Katar. Die EU Mitgliedsländer stimmen bereits am 2.Februar eine gemeinsame Position ab.
Österreichische Position unglaubwürdig
Im Jahr 2009 wurden weltweit über 21 Tonnen illegales Elfenbein beschlagnahmt, meist auf dem Weg von Afrika nach Fernost. Knapp 11,6 Tonnen davon kamen aus Tansania. Aktuelle DNA-Analysen belegen, dass Tansania und Sambia Zentren der Elefantenwilderei sind. „Ausgerechnet diese Länder, in denen mafiös organisierte Wildererbanden Elefanten sogar in Schutzgebieten systematisch abschlachten, wollen nun den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufheben lassen und insgesamt 111 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen verkaufen. Alle Berichte bestätigen bereits jetzt, dass Elfenbeinschmuggel und Wilderei insgesamt in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Den Elefantenschutz jetzt zu lockern, wäre völlig unverantwortlich“, warnt die Pro Wildlife-Sprecherin. „Österreich behauptet zwar, angeblich gegen den Verkauf des Elfenbeins zu stimmen, will sich aber gleichzeitig nicht gegen die von Tansania und Sambia beantragte Aufhebung des derzeitigen strengen Schutzes ihrer Elefantenbestände aussprechen. Einziger Sinn und Zweck dieser Taktik ist eine zukünftige Legalisierung des Elfenbeinhandels. Die österreichische Position ist nicht nur unglaubwürdig, sondern auch brandgefährlich: sie sendet ein fatales Signal an Wilderer und Elfenbeinschmuggler und setzt damit das Leben Tausender Elefanten aufs Spiel“, so Freyer. Österreich hatte sich zudem bereits 2007, auf der letzten Konferenz des WA, für eine Freigabe des Elfenbeinhandels aus vier südafrikanischen Staaten ausgesprochen.
Elefantenwilderei und Elfenbeinschmuggel eskalieren
Experten schätzen, dass derzeit jährlich weit über 30.000 Elefanten ihrer Stoßzähne wegen gewildert werden. „Wenn die massive Wilderei nicht gestoppt wird, ist das Schicksal der Elefanten in einigen Ländern besiegelt. Bereits jetzt gilt nur noch ein Bestand von 470.000 Afrikanische Elefanten als gesichert, 1981 waren es noch fast dreimal so viele“, warnt die Biologin Freyer. „Die Schwarzmarktpreise für Elfenbein in Südostasien sind binnen fünf Jahren von 200 US-Dollar auf 1.800 US-Dollar explodiert – damit hat der illegale Elfenbeinhandel in Afrika sogar den Drogenhandel überholt.“ Pro Wildlife unterstützt Razzien gegen Elfenbeinschmuggler in Afrika. „Wir kämpfen gegen Windmühlen, wenn der legale Elfenbeinhandel nicht endlich gestoppt wird. Denn legaler Verkauf und Schmuggel gehen Hand in Hand“, so Freyer.
Vor 20 Jahren erlassenes Handelsverbot immer weiter gelockert
Vor genau 20 Jahren, im Januar 1990, trat ein absolutes Handelsverbot für Elfenbein in Kraft, um den Massakern an Elefanten ein Ende zu setzen. Doch dieser Meilenstein des Artenschutzes wurde seit 1997 Schritt für Schritt aufgeweicht: 1997 hob das WA den höchsten Schutzstatus für die Elefanten in Botsuana, Simbabwe und Namibia wieder auf. 1999 konnten die drei Länder knapp 50 Tonnen Elfenbein nach Japan verkaufen. Ende 2008 Jahr durften sie, gemeinsam mit Südafrika, 108 Tonnen Elfenbein ganz offiziell nach Japan und China, Hauptabsatzmärkten für geschmuggeltes Elfenbein, exportieren. Nun wittern andere afrikanische Länder den großen Reibach mit dem „weißen Gold“ – allen voran Tansania und Sambia. „Es ist verantwortungslos, über eine weitere Lockerung des Elfenbeinschutzes zu diskutieren, während in Afrika jedes Jahr zehntausende Elefanten gewildert werden“, sagt Freyer.
Elfenbeinkompromiss gescheitert
Als Zugeständnis an die Mehrheit der afrikanischen Staaten, die den Elfenbeinhandel vehement ablehnen, hatte die letzte WA-Konferenz im Juni 2007 ein neunjähriges Handelsverbot verabschiedet, das nach dem Abverkauf der Lagerbestände Ende 2008 in Kraft treten sollte. Die EU hatte hierbei eine Schlüsselrolle gespielt und den als „historisch“ gefeierten Kompromiss ausgehandelt. Bei genauerem Hinsehen erweist sich dieser jedoch als Mogelpackung: Denn rechtlich gilt das Moratorium nur für die vier Länder, die ihre Lagerbestände bereits leer räumen durften. Andere Länder dagegen torpedieren den Elefantenschutz weiter. Um dies zu stoppen, fordert eine Koalition aus sieben afrikanischen Staaten (Republik Kongo, Kenia, Ghana, Liberia, Mali, Sierra Leone und Togo) ein lückenloses Elfenbeinhandelsverbot für 20 Jahre. Pro Wildlife appelliert an Österreich und alle WA-Mitgliedsstaaten, dies zu unterstützen. „Der Elfenbeinhandel muss wieder weltweit geächtet werden. Nur so kann die Elefantenwilderei gestoppt werden“, so Freyer.



