Presseinformation: Biodiversität

Naturschutz nach dem Aschenputtel-Prinzip

Pro Wildlife kritisiert UN-Biodiversitätskonferenz

München/Bonn, 26. Mai 2008. Im Fokus der derzeitigen UN-Naturschutzkonferenz (CBD) in Bonn steht der Erhalt der weltweiten Artenvielfalt - tatsächlich aber geht es um knallharte ökonomische Interessen. Dies moniert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife, die an der Konferenz teilnimmt. „Die Verhandlungen reduzieren die Natur auf einen Selbstbedienungsladen mit wertvollen und weniger wertvollen Arten. Und nur den Arten, die wirtschaftlich nutzbar sind, wird eine Existenzberechtigung zugestanden“, kritisiert Jana Rudnick von Pro Wildlife.

Die CBD-Konferenz widmet dem Thema Artensterben die Aufmerksamkeit, die es verdient. „Umso ärgerlicher ist es, dass die Verhandlungen von den Interessen der Holz- und Fischereiwirtschaft sowie der Pharma- und Agroindustrie bestimmt werden“, so Rudnick.

Während in erschreckendem Tempo Korallenriffe sterben, Urwälder abgeholzt und zahllose Arten ausgerottet werden, dominiert der „ökonomische Wert“ der Biodiversität die schleppenden Diskussionen.  Die Biologin betont, dass es gefährlich ist, die Verhandlungen auf die Frage zu reduzieren, den Verlust wie vieler und welcher Arten wir uns leisten können.

Was kostet eine Blattlaus?

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen: Die CBD-Konferenz misst nach dem Aschenputtel-Prinzip den Wert der Artenvielfalt an dem wirtschaftlichen Schaden, den ihr Verlust bedeuten würde“, sagt Rudnick. „Doch diese Sichtweise ist verantwortungslos und kurzsichtig: Die Natur leistet sich keine überflüssigen Arten. Selbst Ginsterzikade und Blattlaus erfüllen ihren Zweck im Artengefüge“.

Die rein ökonomische Sichtweise wird auch durch eine Studie gestärkt, die das BMU noch in dieser Woche auf der Konferenz vorstellen will: Auf Wunsch der G8-Staaten wurden die volkswirtschaftlichen Kosten abgeschätzt, die durch den Verlust der biologischen Vielfalt entstehen „Die vielfältige Rolle der Natur als Lieferant von Trinkwasser, Sauerstoff, Klimastabilisator oder Apotheke ist allseits bekannt. Wozu ist nun ein Festsetzen von Preisschildern nötig?“ fragt Rudnick. „Der Handel mit Wald-Gutscheinen und Emissionsrechten ist kein Finanzierungs-Allheilmittel für den Naturschutz.“ Stattdessen sollte sich die Konvention darauf konzentrieren, den rücksichtslosen Raubbau an der Natur zu stoppen - die tatsächliche Ursache der Zerstörung von Lebensräumen und unserer Lebensgrundlage.

Pro Wildlife appelliert an die Vertragsstaaten: „Die Konvention muss die Notbremse ziehen, wenn sie das Artensterben aufhalten will. Es ist dringend notwendig, konkrete Maßnahmen zum Schutz der Wälder, Meere und Savannen in die Tat umzusetzen.“