Presseinformation: Wale / Walfangkommission
Fatale Zusagen an Walfänger geplant
Größte Walschutz-Erfolge sollen nun geopfert werden: Walfangverbot und Antarktis-Schutzgebiet wackeln
München, 26. Februar 2010. Vom 2. bis 4. März verhandelt eine Arbeitsgruppe der Internationalen Walfangkommission in Florida/USA über die Zukunft der IWC. „Dort wird ein Kompromiss diskutiert, der die Errungenschaften der letzten 25 Jahre zum Schutz der Wale opfert“, warnt Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Dies würde Japan, Island und Norwegen für ihr dreistes Unterwandern der IWC durch eigenmächtige Fangquoten und angeblichen „Wissenschaftswalfang“ sogar belohnen.“ Die Artenschutzorganisation hat die Bundesregierung, die an der Entwicklung des gefährlichen Vorschlags mitgewirkt hat, aufgefordert, die Notbremse zu ziehen.
In den letzten Monaten war Deutschland Mitglied einer „Unterstützergruppe“ aus zwölf Ländern, die den vorliegenden Kompromissvorschlag zwischen den Interessen der Walschutz- und Walfangländer erarbeitet hat. Wird in der IWC-Arbeitsgruppe in Florida (2. bis 4. März) dieser Vorschlag weiter ausgearbeitet, wäre dies richtungsweisend für die IWC-Jahrestagung, die im Juni darüber abstimmt – mit möglicherweise verheerenden Folgen:
Ende des kommerziellen Walfangverbots von 1986 droht
„Der vorliegende Vorschlag würde das seit 1986 geltende Moratorium der IWC ad absurdum führen und faktisch aufheben“, berichtet Altherr. „Zwar sieht der Vorschlag vor, das Moratorium solle formell erhalten bleiben, gleichzeitig würde die IWC kommerzielle Fangquoten genehmigen – ein einmaliger und juristisch fragwürdiger Vorgang.“
Grünes Licht für Walfang im Antarktis-Schutzgebiet?
Der Vorschlag sieht zudem vor, ausgerechnet in dem 1996 eingerichteten Antarktis-Schutzgebiet kommerzielle Walfangquoten erteilen, wo sich die wichtigsten Nahrungsgründe der Wale befinden. Gleichzeitig ist die Einrichtung eines südatlantischen Schutzgebietes geplant – als vermeintliches Zugeständnis an die Walschutzländer. „Das zeitgleiche Opfern des Antarktis-Schutzgebietes macht die Einrichtung eines Schutzgebietes im Südatlantik unglaubwürdig. Der Witz ist: Dort findet überhaupt kein Walfang statt“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.
Japan wird ermuntert, ein neues Fabrikschiff für Antarktiswalfang zu bauen
Japans Fabrikschiff, die „Nisshin Maru“, wurde 2007 durch ein Feuer stark beschädigt und nur provisorisch repariert. Die Regierung steht derzeit – inmitten der Wirtschaftskrise – vor der Entscheidung, Millionen in ein neues Fabrikschiff zu investieren. „Ursprünglich zielte der Kompromissvorschlag auf ein „Phase-Out“ des japanischen Walfangs in der Antarktis ab. Hiervon findet sich nichts mehr im aktuellen Text wieder,“ berichtet Altherr. „Stattdessen wird Japan eine kommerzielle, von der IWC legitimierte Quote in Aussicht gestellt, was die Entscheidung für ein neues Fabrikschiff geradezu forciert. Dies würde den Walfang in der Antarktis auf Jahrzehnte manifestieren.“
In einem Schreiben an den Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Dr. Robert Kloos, fasst Pro Wildlife die gefährlichsten Elemente des Kompromissvorschlags zusammen. Die Artenschützer fordern Sanktionsmöglichkeiten der IWC, um Verstöße der Walfangländer ahnden zu können, statt immer weiter Zugeständnisse an deren Adresse zu machen.



