Presseinformation: Walfang / IWC

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Walschutz muss Chefsache werden

Walschützer fordern Reform der IWC – Erleichterung über gescheiterten Kompromiss

Buckelwal(c)WWellesAgadir/München, 25. Juni 2010. Kommerzieller Walfang bleibt verboten. Dies wertet die Artenschutzorganisation Pro Wildlife als das wichtigste Ergebnis der am Freitag in Agadir endenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). „Wir sind sehr erleichtert, dass der umstrittene Kompromissvorschlag gescheitert ist und der kommerzielle Walfang nicht legalisiert wurde“, sagt Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnahm. Pro Wildlife fordert nun eine grundsätzliche Reform der Walfangkommission. „Die IWC ist von Korruption gelähmt. Rechtliche Schlupflöcher, die Japan, Island und Norwegen nutzen, um den Walfang fortzusetzen, müssen gestopft werden. Meeresverschmutzung und Fischernetze bedrohen die Walbestände immer mehr. Die Walfangkommission muss zu einer Walschutzkommission werden. Dazu ist es nötig, dass der Schutz der Wale endlich stärker auf die internationale politische Agenda kommt.“

Kompromiss gescheitert

Drei Jahre lang hatten Arbeitsgruppen der IWC versucht, einen konsensfähigen Kompromiss zwischen Walfangnationen und schutzorientierten Ländern zu erarbeiten. Der auf der IWC Tagung diskutierte Kompromissvorschlag hätte die kommerzielle Jagd auf bis zu 1.400 Wale legitimiert, teils im Antarktis-Schutzgebiet und sogar auf bedrohte Arten. „Dieser Vorschlag war keine Chance für den Walschutz, sondern für die Walfänger“, kommentiert Altherr. „Und er hätte die juristischen Schlupflöcher der IWC nicht geschlossen, die es Japan, Norwegen und Island ermöglichen, das Walfangverbot zu ignorieren. „Hätte die IWC den kommerziellen Walfang legalisiert, ohne ein verbindliches Ausstiegsszenario festzuschreiben, hätte sie ein Fass aufgemacht, das sie nicht mehr zubekommen hätte.“

Der Deal ist tot – wie geht es weiter?

Um die auf den IWC-Tagungen herrschende Blockade aufzulösen, fordert Pro Wildlife als Konsequenz aus der diesjährigen IWC-Tagung, einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen: „Der Walschutz braucht künftig einen viel höheren politischen Stellenwert – er muss bilateral und in internationalen Foren zur Chefsache werden. Und die IWC braucht Sanktionsmöglichkeiten, damit die Walfänger nicht länger ungestraft machen können, was sie wollen.“ Viele IWC-Delegierte forderten auch, die Umweltgefahren zu berücksichtigen, denen Wale zunehmend ausgesetzt sind: verschmutze und erwärmte Meere, Lärm, Fischerei, Beifang und Kollisionen mit Schiffen.

„Damit die dringend notwendige Reform der IWC von einer Walfang- hin zu einer Walschutzkonferenz möglich ist, muss sie zunächst die Korruptionsprobleme in den Griff bekommen“, betont Altherr. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass alle Reisekosten des aktuellen IWC-Vorsitzenden von einer japanischen Firma bezahlt wurden. Zuvor berichtete die englische Sunday Times, wie IWC-Delegierte aus Entwicklungsländern mit Geld, Reisen und Prostituierten geködert werden, um Japans Walfanginteressen zu unterstützen. „Wir vermuten, dass 33 Entwicklungsländer aus Afrika, Karibik und Pazifik dem Einfluss Japans unterliegen. Japan und seine Verbündeten blockieren jegliches Vorwärtskommen der IWC“, berichtet die Pro Wildlife Sprecherin.

Weitere Themen der diesjährigen Walfangtagung

Nach dem Scheitern des umstrittenen Kompromisses wurden auch die steigenden Umweltgefahren für Wale diskutiert. „Die IWC hatte in diesem Jahr eine lebhafte Diskussion um die enorme Giftstoffbelastung von Wal- und Delfinfleisch. Wenn in den Walfangländern das Gesundheitsrisiko für die Verbraucher bekannt wird, hoffen wir, dass die Nachfrage immer weiter sinkt. Dies kann vielen Walen und Delfinen das Leben retten“, so die Pro Wildlife Sprecherin.