Wale und Delfine

in

Walfang in Europa eskaliert

Norwegen, Island und Dänemark haben fast so hohe Fangquoten wie Japan – und wollen noch mehr!

München/Anchorage, den 25. Mai 2007: Anlässlich der kommenden Montag beginnenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) kritisiert Pro Wildlife die Rekordjagdquoten in Europa. „Während alle Welt auf Japan schaut, wird das asiatische Land wohl bald von den Walfangquoten in Europa überholt“, berichtet Dr. Sandra Altherr, Sprecherin von Pro Wildlife. „Japan hat eine aktuelle Quote von 1.270 Walen, Nor-wegen und Island derzeit eine Quote von 1.140 Tieren. Und es gibt Pläne, noch Hunderte Finn- und Zwergwale mehr zu fangen – u.a. auch in Dänemark.“ Pro Wildlife appelliert an die 76 IWC-Staaten, sich diesen Absichten mit aller Entschlossenheit entgegenzustellen.

Während Japan noch der Walkiller Nummer Eins ist, bauen Norwegen, Island und Dänemark ihren Walfang seit Jahren systematisch aus:

Island stieg 2003 nach 14 Jahren Pause wieder in den Walfang ein – zunächst ausschließlich unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“, seit 2006 wird hemmungslos auch offiziell für kommerzielle Zwecke gefangen. 2007 sollen 78 Wale vor Islands Küsten sterben: 30 Zwerg- und 9 Finnwale für kommerzielle Zwecke, 39 weitere Zwergwale für die „Wissenschaft“. Und es sollen mehr werden: „Island ließ sich kürz-lich von dem nordeuropäischen Walfangbündnis NAMMCO* eine Quote für mindestens 150 Finnwale absegnen. „Für diese Wale gibt es im Gegensatz zu Zwergwalen eine große Nachfrage in Japan – das wäre ein Millionengeschäft!“ erläutert Altherr.

„Es ist was faul Im Staate Dänemark“, so die Pro Wildlife-Sprecherin: „Die Färöer-Inseln, eine semi-autonome Region Dänemarks, bereiten derzeit nach über 20 Jahren klammheimlich den Wiedereinstieg in die Finnwaljagd vor“. Nach Pro Wildlife vorliegenden Informationen ist eine jährliche Quote von bis zu 20 Tieren im Ge-spräch. Dabei wurden die Finnwalbestände in den Färöer-Gewässern durch die inten-sive Jagd im letzten Jahrhundert um 90% dezimiert. EU-Mitglied Dänemark steht zu-dem in der Kritik, da es bei der letzten IWC-Tagung mit seiner Stimme der sog. „St. Kitts-Resolution“ gegen das kommerzielle Walfangverbot zu einer Mehrheit verhalf.

Norwegen nimmt mit einer Fangquote von derzeit 1.052** Zwergwalen die traurige Spitzenposition in Europa ein. Das norwegische Parlament gab 2004 sogar grünes Licht für eine Quote von 2.010 Zwergwalen. „Dass diese Rekordquote nicht bereits Wirklichkeit ist, liegt nur daran, dass der Markt für Zwergwalfleisch in Norwegen und Japan derzeit am Boden liegt“, betont die Pro Wildlife-Expertin.

„Die Walfangpraxis in Europas Gewässern ist bereits jetzt eine Katastrophe. Und wenn Island, Dänemark und Norwegen ihre geheimen Walfangpläne aus der Schublade holen, sind jährliche Quoten von über 2.200 Walen ohne weiteres denkbar“, unterstreicht Altherr. Sie bittet die IWC-Staaten, bei der kommenden Montag beginnenden Tagung die drei europäischen Walfangnationen zur Rede zu stellen und einen Ausbau der Jagd mit aller Schärfe abzulehnen.

* NAMMCO = North Atlantic Marine Mammal Commission; zusammengesetzt aus Norwegen, Island und den beiden dänischen Regionen Grönland und Färöer-Inseln.

** 2006 konnten Norwegens Walfänger aufgrund schlechten Wetters im hohen Norden nur die Hälfte der genehmigten Quote anlanden. 2007 blieb die Gesamtquote gleich, aber die Teilquoten in klimatisch günstigeren Regionen wurden erhöht, so dass 2007 die Gesamtquote von 1.052 wieder erfüllt werden könnte.