Wale und Delfine
Immer mehr Tourismus-Unternehmen machen gegen Islands Walfang mobil
Gemeinsame Initiative von Walschützern gewinnt breite Unterstützung
München/ Wädenswil, den 24. September 2003: Mehr als 40 europäische Reiseveranstalter, darunter Unternehmen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Frankreich und England fordern von Island ein Ende seiner Walfangaktivitäten. Damit hat sich die Zahl der Reiseveranstalter, die Mitte August dem Aufruf der Artenschutzorganisationen WDCS (Whale & Dolphin Conservation Society), Pro Wildlife und der ASMS (Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger Schweiz) gefolgt sind, verdoppelt. Der Tourismus ist die zweitwichtigste Einnahmequelle Islands, doch die jüngsten Walfangaktivitäten der Insel gefährden das bislang boomende Geschäft. Trotz Bekundungen der Walfänger, keine Tiere in Walbeobachtungsgebieten zu töten, berichten Whale-Watching-Schiffe das Gegenteil.
Die Wiederaufnahme der Walfangaktivitäten in Island nach 14 Jahren Pause hat weltweit zu massiven Protesten geführt. Nicht nur mehr als drei Dutzend Reiseveranstalter, sondern auch 23 Staaten forderten die Regierung Islands auf, den Walfang umgehend einzustellen. Das etablierte Image Islands als Naturparadies ist in wenigen Wochen schwer beschädigt worden. „Viele Menschen sind der Überzeugung, dass Walbeobachtung und Walfang miteinander unvereinbar sind... Deshalb fordern wir die isländische Regierung auf, die Walfangaktivitäten zu überdenken”, heißt es in der Stellungnahme der Tourismus-Unternehmen. „Wir sind erfreut über die eindeutige und klare Positionierung der europäischen Tourismusindustrie. Es ist unverständlich, warum die isländische Regierung den irregeleiteten Informationen einer kleinen Interessensgruppe folgt und so nicht nur das Überleben von Walen gefährdet, sondern auch einen der boomendsten Wirtschaftszweige im eigenen Staat schädigt“ sind sich die Artenschutzverbände WDCS, Pro Wildlife und ASMS einig.
Die isländische Regierung unterschätzt die ökonomischen Folgen ihres eigenmächtigen Vorgehens. Jeder dritte Island-Reisende nimmt an Walbeobachtungstouren teil. Die Tendenz ist steigend. Gerade Zwergwale, die nun wieder bejagt werden, sind eine der Hauptattraktionen der insgesamt 15 in isländischen Gewässern zu beobachtenden Wal- und Delfinarten.
Am 15. August 2003 liefen erstmals nach 14 Jahren wieder isländische Walfangschiffe aus, um noch im Herbst 38 Nördliche Zwergwale zu jagen. Bislang sind bereits mindestens 27 Tiere getötet worden. Urlauber aus ganz Europa werden es sich angesichts dieser Jagd gut überlegen, ob sie im kommenden Jahr eine Reise nach Island buchen werden.

