Exotenhandel
Stoppt die EU den Import von Wildvögeln?
Erster importierter Papagei an Vogelgrippe gestorben – 1,76 Mio. Wildvögel werden jährlich in die EU eingeführt
München, den 23. Oktober 2005: Ein in England an Vogelgrippe gestorbener Papagei belegt die immense Gefahr, die vom Wildvogel-Import für den legalen Heimtierhandel ausgeht. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife wiederholt deshalb ihre Forderung nach einem umgehenden EU-Importverbot für Wildvögel. England, das derzeit die EU-Präsidentschaft hat, und Deutschland schließen sich dieser Forderung nun an. "Während in der EU bisher immer nur vom Gefahrenpotential des Vogelschmuggels die Rede war, verdeutlicht der Vorfall in England das Risiko der Krankheitsübertragung durch den völlig legalen Wildvogelhandel. Die EU-Quarantänevorschriften bieten keinen ausreichenden Schutz – ein Importverbot ist längst überfällig", so Daniela Freyer, Sprecherin von Pro Wildlife. Die EU ist weltweit der weit größte Abnehmer von "Ziervögeln" und importiert jährlich ca. 1,76 Millionen Tiere aus freier Natur, darunter u.a. Papageien, Beos und Finken.
Der jetzt in England an der Vogelgrippe gestorbene Papagei stammte aus Surinam (Südamerika) und war seit dem 16. September mit anderen Ziervögeln u.a. aus Taiwan in einer englischen Quarantänestation. Die EU schreibt für alle Ziervögel, die aus Nicht-EU-Staaten eingeführt werden, eine 30-tägige Quarantäne vor. Allerdings weisen die Quarantänebestimmungen erhebliche Schlupflöcher auf: "Nur ein Bruchteil der importierten Wildvögel wird auf Vogelgrippe getestet - häufig finden überhaupt keine Untersuchungen statt", so Freyer. Auch die Importpolitik der EU kritisiert Pro Wildlife : "Für einige Staaten, in denen der Ausbruch des tödlichen Virus bestätigt wurde, hat die EU zwar Einfuhrstopps für Wildvögel und Geflügel verhängt. Doch aus deren Nachbarländern werden ungehindert weiter Ziervögel importiert. Mehr als 350 `Ziervögel´, die in derselben Quarantäneeinrichtung waren wie der infizierte Papagei, wurden bereits getötet. "Es ist höchste Zeit, dass die EU das sinnlose Sterben von Wildvögeln für den Heimtiermarkt stoppt. Unzählige Tiere verenden bereits durch Fang, Transport oder durch Infektionen innerhalb der Handelskette. Zudem droht mit dem weltweiten Vogelhandel die Einfuhr der tödlichen Vogelgrippe und damit auch eine vermeidbare und überflüssige Gefahr für den Menschen."
Die Ansteckungsgefahr durch Vögel aus freier Wildbahn ist beträchtlich: Zum einen leben sie in besonders engem Kontakt mit Menschen. Zum anderen fördern sowohl Stress bei Fang und Transport als auch drangvolle Enge und unhygienische Verhältnisse im Tierhandel den Ausbruch von Krankheiten. Die nach Europa importierten Ziervögel kommen aus Asien, Lateinamerika und Afrika. Der Öffentlichkeit ist kaum bewusst, dass ein Großteil der hierzulande verkauften Vögel wie z.B. Papageien, Beos und exotischer Finken noch immer aus freier Wildbahn stammt: Neun von zehn der in die EU importierten Vögel sind Wildfänge. Während Fang und Handel heimischer Vogelarten in der EU verboten sind, ist der Plünderung der Vogelwelt anderer Staaten für europäische Käfige kaum eine Grenze gesetzt.
Pro Wildlife ist Mit-Initiator einer von 230 Verbänden unterstützten Kampagne mit dem Ziel, die Einfuhr von Wildvögeln in die EU zu stoppen – aus Tier- und Artenschutzgründen, aber auch mit Verweis auf die Vogelgrippe-Epidemie. Bereits im März machte Belgien einen Vorstoß, der massenhaften Einfuhr von Wildvögeln in die EU einen Riegel vorzuschieben. Doch die EU hat das Thema bislang verschlafen, die bisherigen Prophylaxemaßnahmen der EU gegen die Vogelgrippe waren immer nur punktuell, zeitlich befristet und unzureichend. Zwar verhängte die EU seit Ausbruch des Vogelgrippevirus H5N1 ein Importverbot für alle Vögel aus neun asiatischen Ländern sowie jüngst aus Russland und Kasachstan. Doch Nachbarländer von der Vogelgrippe betroffener Staaten wie z.B. Taiwan, Singapur oder die Ukraine können nach wie vor ungehindert Wildvögel in die EU exportieren. "Die EU muss jetzt dringend ein einheitliches und dauerhaftes Einfuhrverbot für alle Wildvögel schaffen", so die Pro Wildlife-Sprecherin abschließend.



