Exotenhandel
Todesfracht bei Lufthansa
Pro Wildlife enthüllt Tierskandal am Frankfurter Flughafen: Wüstenfüchse in Transportkisten qualvoll verhungert
München, den 21. Juli 1999 - Skandal bei Deutschlands renommierter Fluggesellschaft: Lufthansa Cargo transportierte Wildtiere auf einer tagelangen Odyssee vom Sudan über Frankfurt nach Südafrika und - aufgrund fehlender Papiere - wieder zurück. Diese Tortur überlebten vier artgeschützte afrikanische Wüstenfüchse nicht. 31 weitere Artgenossen kamen mehr tot als lebendig an. Weder Lufthansa noch die Tierärzte in Frankfurt wollen von den Qualen der Tiere etwas bemerkt haben. Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife weiß: Solche Dramen sind Alltag auf internationalen Flughäfen. Sie fordert deshalb ein Ende der grausamen Wildtiertransporte und hat Strafanzeige gegen Lufthansa Cargo und die zuständige Veterinärbehörde gestellt.
Ein bei der Ankunft der Tiere in Johannesburg gedrehtes Video, das heute erstmals um 22.30 Uhr in ZDF "Kennzeichen D" gezeigt wird, beweist die unsägliche Tierquälerei: In erbärmlichem Zustand - bis auf die Knochen abgemagert, verwundet, mit eitrigen Augen - sind 32, zum Teil sehr junge Wüstenfüchse verängstigt und von Hunger geplagt in drei Transportkisten eingepfercht. Dazwischen liegen drei tote Artgenossen. Nach Auskunft einer südafrikanischen Tierärztin ist einer davon in Verwesung und war wohl bereits in Frankfurt tot. Ein Fuchsbaby liegt im Sterben. Ebenfalls unfassbar: In die Transportkisten für die Füchse wurden gleichzeitig Tauben hineingestopft, mindestens ein Vogel ist tot. Auch vor dem Transport ihres Wappentiers schreckt die Lufthansa nicht zurück: 10 Kraniche sind Teil der Todesfracht.
In Südafrika hat das Tierdrama noch immer kein Ende: Wegen fehlender Tollwut-Bescheinigungen werden die Füchse nicht angenommen, sondern über Frankfurt wieder zurück an den Absender, einen Tierhändler im Sudan, geschickt. Beim erneuten Zwischenstopp in Frankfurt übersehen Lufthansa und die Veterinäre sowohl den erbärmlichen Zustand der Tiere als auch das Fehlen der vier toten Füchse.
"Die Abfertigung war ein reiner Routinefall", so die oberste Veterinärin im hessischen Sozialministerium, Andrea Escher, die Pro Wildlife gegenüber versicherte, es hätte keine Beanstandungen gegeben. Reine Routine sind auch die Transporte von Millionen Wildtieren, die alljährlich der Natur entrissen, in Kisten und Säcke gesteckt und - meist als Luftfracht - auf einen oft tagelangen, qualvollen Transport geschickt werden. Die Abnehmer sind zum großen Teil private Tierhalter, aber auch Zoos versorgen sich mit Nachschub aus freier Wildbahn. Viele Tiere überleben den qualvollen Fang und Transport nicht. Bei Wildvögeln liegt die Sterberate bei 70 bis 90 Prozent.
Nach Insider-Informationen sind Tiertransporte die zweitgrößte Einnahmequelle der Lufthansa Cargo AG. "Täglich werden Tiere aus Profitgier als billige Massenware kreuz und quer über den Erdball transportiert, ohne Rücksicht auf Verluste", so Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. "Solange nicht die Unversehrtheit jedes einzelnen Tieres garantiert werden kann, müssen diese Transporte verboten werden. Bisher wurden Verstöße nur als Kavaliersdelikt geahndet."



