Wale und Delfine
Delfin-Mafia fängt über 100 Tiere im Südpazifik
Grausamer Deal soll mit Gewalt verheimlicht werden
München, den 22. Juli 2003 – Zwischen 100 und 200 Große Tümmler wurden jüngst vor den Salomonen (Südpazifik) eingefangen und kämpfen nun in winzigen Wassertanks um ihr Überleben. Ein international vernetztes Delfin-Kartell steckt hinter dem brutalen Fang und trainiert die Tiere derzeit für Kunststückchen in Delfinarien weltweit. „Die Sterblichkeit bei wildgefangenen Delfinen ist immens hoch, außerdem halten wir den Export für illegal“, kritisiert Dr. Sandra Altherr, Meeresexpertin von Pro Wildlife. Der Artenschutzorganisation liegen Informationen vor, nach denen die Tiere für Mexiko und Europa bestimmt sind. Ein erster Transport von 30 Tieren ist derzeit nach Mexiko unterwegs – unter gewaltsamem Ausschluss der Öffentlichkeit: Die Polizei auf den Salomonen verhindert Video- und Fotoaufnahmen internationaler Pressevertreter, ein australischer Journalist wurde bereits verhaftet, ein neuseeländischer Kollege von der Delfin-Mafia verprügelt. Pro Wildlife forderte internationale Artenschutzbehörden auf, den Import der Großen Tümmler aufgrund der massiven juristischen Bedenken strikt abzulehnen.
Etwa 60 Große Tümmler, Delfine aus dem Südpazifik, werden derzeit in winzigen Wassertanks auf der salomonischen Insel Gela nahe der Hauptstadt Honiara gehalten – unter unsäglichen Bedingungen: Nach Augenzeugenberichten steht den Tieren, die ein Leben in den Weiten des Ozeans gewohnt sind, in den Tanks weniger als ein Meter Wassertiefe zur Verfügung. Dutzende weitere Delfine sind an anderen Stellen untergebracht. Die Fischer erhielten ein Kopfgeld von 230 Euro, doch die wahren Gewinne kassiert die Delfinmafia mit dem internationalen Weiterverkauf für bis zu 18.000 Euro. „Vier Delfine sind bereits gestorben. Wir befürchten, dass zahlreiche Tiere folgen werden, denn die Fangmethoden sind brutal und die jetzigen Haltungsbedingungen tun ihr Übriges“, so Altherr. Für die Delfinmafia kein Geschäftsverlust, da sie keine Behörde auf den Salomonen von weiteren Fängen abhalten wird. Der Inselstaat ist von politischen und wirtschaftlichen Unruhen geschüttelt, Korruption bestimmt den Alltag.
Zu dem Tierhändlerring sollen auch ein Deutscher und ein Kanadier gehören. Darüber hinaus gibt es enge Kontakte zu der Delfinarienindustrie in Mexiko: „Delfinarien konnten sich bis vor kurzem aus den Küstengewässern Mexikos bedienen. Doch dort ist der Fang seit 18 Monaten verboten, deshalb holt man jetzt skrupellos Delfin-Nachschub aus anderen Gebieten“, betont die Pro Wildlife Sprecherin. Sie forderte die mexikanischen Behörden auf, die Einfuhrgenehmigung für 33 Delfine zurückzunehmen und weitere Anfragen abzulehnen. Große Tümmler, bekannt geworden als Flipper, sind wegen ihres freundlichen Aussehens und ihrer akrobatischen Fähigkeiten in Delfinarien besonders beliebt. In Mexiko werden Delfine nicht nur in Delfinarien präsentiert, sondern auch in umherziehenden, zirkusähnlichen Delfinshows. Die Sterblichkeit gerade in solchen fahrenden Shows ist immens hoch, bedingt durch schlechte Wasserqualität, mangelnde Bewegung und fehlende tierärztliche Versorgung. Hierdurch wird ständig neuer Nachschub aus den Meeren benötigt. Doch auch Delfinarien in Europa gehören weiterhin zu den Abnehmern wildgefangener Delfine: In den letzten 20 Jahren wurden über 100 Große Tümmler für solche Vergnügungsshows importiert.
Alle Delfine sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) geschützt und der Handel unterliegt strengen Auflagen. Zwar sind die Salomonen kein WA-Mitgliedsstaat, allerdings die potenziellen Abnehmerländer in Europa und Mexiko. „Von der immensen Tierquälerei einmal abgesehen, kann derzeit niemand beurteilen, welche Folgen der Massenfang für das Überleben der Delfinbestände vor den Salomonen hat. Wir gehen davon aus, dass der Export gegen Artenschutzrecht verstößt und haben inzwischen internationale Artenschutzbehörden eingeschaltet“, berichtet die Biologin Altherr.



