Wale und Delfine

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Japan geht im Walfang weiter als je zuvor

Tokio wird trotz Absage der IWC bedrohte Finn- und Buckelwale töten

München/ Ulsan, den 22. Juni 2005 – Auf der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) wurde Japan heute per Resolution aufgefordert, seine Pläne für ein neues Walfangprogramm unter dem Deckmantel der Wissenschaft umgehend aufzugeben. „Japan wird seine angekündigte Jagd auf jährlich fast 900 Zwergwale und erstmals auf die bedrohten Finn- und Buckelwale dennoch wahr machen“, so Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC-Tagung teilnimmt.  „Damit provoziert Japan die Weltöffentlichkeit mehr als jemals zuvor“. Rein formal ist Japans angeblicher Wissenschaftswalfang sogar legal, denn für die Forschung sieht die IWC Ausnahmen vom Fangverbot vor. „Doch alle Welt weiß, dass Japans angebliche Forschung in Wahrheit ein Millionengeschäft ist“, so die Pro Wildlife-Sprecherin. Eine eigene Resolution Japans, die die Walfangpläne unterstützen sollte, wurde angesichts der fehlenden Mehrheiten zurückgezogen.

Seit 18 Jahren fängt Japan unter dem Deckmantel der Wissenschaft Zwergwale in der Antarktis und umgeht damit das Walfangverbot. Das „Forschungsprogramm“ JARPA, in dessen Verlauf insgesamt knapp 6.800 Tiere getötet wurden, lief im vergangenen Januar aus. Auf der IWC-Tagung in Korea beantragte Japan nun eine Verlängerung, um künftig die Zahl von Zwergwalen auf jährlich knapp 900 Tiere zu verdoppeln und – nach einer zweijährigen Übergangszeit – um je 50 Finn1 - und Buckelwale2 zu erweitern. Tokio will damit einen Zusammenhang zwischen angeblichen „überraschenden Bestandszunahmen“ und der globalen Erwärmung untersuchen. Außerdem müsse laut Tokio die Zahl der Zwergwale reduziert werden, damit sich die Blauwalbestände schneller erholen könnten. „Dies ist völliger Nonsens: Die IWC diskutiert hier die Ursachen über einen offensichtlich alarmierenden Rückgang der Zwergwale in der Antarktis – und Japan lügt der Welt offen ins Gesicht“, kritisiert Altherr. Finn- und Buckelwale sind auf der Roten Liste der bedrohten Arten aufgeführt.

Seit 1988 unterwandert Japan durch seinen „Wissenschaftswalfang“ das zwei Jahre zuvor in Kraft getretene weltweite kommerzielle Walfangverbot der IWC. Neben JARPA in der Antarktis gibt es ein zweites „Forschungsprogramm“ (JARPN) im Nordpazifik. Auch hier war die Jagd zunächst jahrelang auf Zwergwale begrenzt, deren Bestände größer sind als die anderer Wale. Doch seit 2000 töteten japanische Walfänger auch Bryde- und Pottwale, seit 2002 sogar die bedrohten Seiwale3 . In zwei scharfen Demarchen kritisierten zahlreiche Länder die japanische Regierung, angesehene internationale Wissenschaftler zerpflückten wiederholt die japanischen „Forschungsergebnisse. Doch Tokio macht unbeirrt weiter.

„Die kleinen Zwergwale sind für Japans Walfänger weitaus weniger interessant. Ein erlegter Finnwal bedeutet schließlich die achtfache Menge Fleisch – und ist zudem in Japan besser zu verkaufen“, erläutert Altherr. Die Nachfrage nach Zwergwalprodukten ist in Japan in den letzten Jahren aufgrund der hohen Schadstoffbelastung deutlich zurückgegangen. Unter anderem aufgrund der Warnungen japanischer Verbraucherschutzorganisationen blieben in den letzten Jahren große Mengen Zwergwal-Fleisch und –Speck aus dem „Wissenschaftswalfang“ unverkäuflich. Lediglich für andere Arten wie Sei-, Buckel- oder Finnwal existiert hingegen weiterhin eine rege Nachfrage. „Japan will sich deshalb ungeachtet der Kritik der IWC nicht von seinen skandalösen Plänen abbringen lassen“, so die Pro Wildlife Sprecherin.

  • Finnwale können über 26 m lang werden und sind somit (nach dem Blauwal) die zweitgrößten Tiere der Welt.
  • Buckelwale sind als die „Sänger“ unter den Walen bekannt. Dank ihrer individuell gezeichneten Fluken sind die einzelnen Tiere klar voneinander zu unterscheiden. Buckelwale werden bis 30 Tonnen schwer.
  • Unter JARPN I und II starben bislang circa 1.180 Zwergwale, 244 Brydewale, 140 Seiwale und 28 Pottwale