Bären
Todesurteil für Bayerns Braunbär
Artenschützer protestieren gegen geplanten Abschuss
München, den 22. Mai 2006: Die Entscheidung des bayrischen Umweltministers, den gerade erst nach Bayern zugewanderten Bären zum Abschuss freizugeben, stieß bei Artenschützern auf heftige Kritik. Der Entschluss, sei ungerechtfertigt und bedeute ein Armutszeugnis für den Naturschutz in Bayern, so die Organisation Pro Wildlife. Die Naturschützer appellierten an Umweltminister Werner Schnappauf, die Abschusspläne umgehend zurück zu nehmen.
Erst am vergangenen Wochenende war bestätigt worden, dass ein männlicher Braunbär aus Tirol nach Bayern gewandert war – zum ersten Mal seit 171 Jahren. Berichte, dass das Tier Schafe und Hühner gerissen habe, zogen sofort Abschussforderungen nach sich. Daraufhin erklärte Bayerns Umweltminister am Montag Nachmittag, man müsse das Tier aus Sicherheitsgründen töten. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Bär, der in Österreich und Italien zwei Jahre lang unbehelligt seiner Wege ziehen konnte, von der Bayerischen Staatsregierung zum Abschuss freigegeben wird sobald er die Landesgrenze überschreitet“, so Biologin Daniela Freyer von Pro Wildlife.
In den Nachbarländern hat man sich seit Jahrzehnten auf das Zusammenleben mit Braunbären eingestellt. So leben in Österreich derzeit 30 Braunbären. Zwar gibt es auch hier immer wieder Konflikte z.B. mit Schafzüchtern. Doch hier setzt man darauf, durch Abschreckung die Tiere von Haustieren und menschlichen Siedlungen fern zu halten, sowie darauf, die Akzeptanz der Menschen für die Wildtiere zu erhöhen.
Pro Wildlife sieht in dem Todesurteil für den ersten nach Bayern zugewanderten Bären ein fatales Signal: Das Umweltministerium würde damit lediglich die Panikmache gegen zuwandernde Großraubtiere schüren. „Wie will man bei der Bevölkerung, bei Tierhaltern und Jägern in Deutschland den Weg für die Zuwanderung von Braunbären ebnen, wenn der Staat selbst sofort zur Flinte greift?“, so die Pro Wildlife Sprecherin. „Wenn das Tier tatsächlich mit staatlicher Genehmigung abgeschossen werden sollte, sieht die Zukunft schwarz aus für andere Bären, die sich zukünftig über die Grenze wagen“.
Nach deutschem und europäischem Recht sind sowohl Bär als auch Wolf streng geschützt. Der Abschuss ist nur in strengen Ausnahmefällen erlaubt. Dennoch werden immer wieder Wölfe und andere streng geschützt Arten illegal erlegt.
Die Artenschutzorganisation appelliert eindringlich an das Umweltministerium, die voreilige Abschussgenehmigung zurück zu nehmen. Um Konflikte zu vermeiden, sollte stattdessen verstärkt versucht werden, das Tier von menschlichen Siedlungen fernzuhalten.



