Presseinformation: CITES / Elefanten / Elfenbein
Verschnaufpause für Elefanten
Artenschutzkonferenz lehnt Elfenbeinhandel und Schwächung des Elefantenschutzes ab
München/Doha, 22. März 2010. Die Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) hat am Montag den von Tansania und Sambia beantragten Verkauf von 111 Tonnen Elfenbein ebenso abgelehnt wie den Antrag der beiden Länder, ihre Elefantenbestände in Anhang II der CITES-Anhänge herunterzustufen. „Heute war ein großer Tag für die Elefanten. Zum ersten Mal seit 1997 fiel bei CITES eine Entscheidung zugunsten der grauen Riesen“, freut sich Daniela Freyer, die für Pro Wildlife an der WA-Konferenz teilnimmt. „Endlich konnte sich die Afrikanische Koalition aus 26 Staaten durchsetzen, die den Elfenbeinhandel ablehnt.“ Nach Schätzungen von Pro Wildlife wurden allein im letzten Jahr 38.000 Elefanten gewildert. Ein von 26 afrikanischen Ländern gefordertes Handelsmoratorium für 20 Jahre scheiterte unter anderem am Widerstand der EU.
Der Antrag Tansanias auf Herabstufung und Elfenbeinhandel wurde mit 59 Ja- zu 50-Nein-Stimmen abgelehnt. Sambia zog am Nachmittag seinen Antrag auf Elfenbeinverkauf zurück und ließ nur über die Herabstufung seiner Elefanten abstimmen. Dieser Antrag scheiterte mit 55 Ja- zu 36 Nein-Stimmen bei 40 Enthaltungen an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Beide Anträge können in der Vollversammlung wiedereröffnet werden.
Wilderei erreicht traurigen Höhepunkt
Recherchen von Pro Wildlife zufolge wurden allein 2009 mindestens 25.200 Kilo Elfenbein beschlagnahmt, mehr als die Hälfte davon kam aus Tansania. Experten von Interpol gehen davon aus, dass nur zehn Prozent des geschmuggelten Elfenbeins entdeckt wird. „Wir schätzen, dass allein im letzten Jahr 38.000 Elefanten getötet wurden, um den Schwarzmarkt vor allem in Asien zu versorgen. Erst vor kurzem beschlagnahmten Zollbeamte in Bangkok zwei Tonnen Elfenbein auf dem Weg nach China“, berichtet Freyer.
„Sowohl Tansania als auch Sambia sind Zentren der Wilderei und des Elfenbeinschmuggels“, so die Pro Wildlife-Sprecherin. Sachverständigenberichte, die im Auftrag von CITES erstellt wurden, bestätigen die desolate Situation: In Tansania wurde in drei Jahren der Elefantenbestand um 34.000 Tiere dezimiert, organisierte Kriminalität und Korruption herrschen auf verschiedensten Ebenen. In Sambia leben heute nur noch etwa 26.000 Elefanten, dies sind nur 16 Prozent des Bestandes von 1981. Auch hier hat die Wilderei zugenommen. Sambia ist sowohl Ursprung als auch Transitland für gewildertes Elfenbein, es fehlt an Wildhütern und Zollpersonal.
Mangelnde Unterstützung der EU
„Trotz dieser gravierenden Missstände konnte sich die EU lediglich dazu durchringen, den Elfenbeinhandel abzulehnen. Die beantragte Lockerung des Elefantenschutzes in Tansania und Sambia ließ die EU durchgehen. Die von der Mehrheit afrikanischer Staaten geforderte Stärkung des Moratoriums unterstützte sie hingegen nicht“, kritisiert Freyer. Während sich Deutschland für den Elefantenschutz engagierte, hatte sich vor allem Österreich für die Anträge Tansanias und Sambias stark gemacht. Auch der WWF befürwortete die Lockerung des Elefantenschutzes in Sambia. Die EU war in den vergangenen 13 Jahren mit verantwortlich für die schrittweise Lockerung des Elefantenschutzes.
Fatale Lockerungen im Elefantenschutz in den letzten 13 Jahren
1989 beschloss das WA – unter anderem auf Antrag Tansanias – ein absolutes Handelsverbot für Elfenbein, um die Massaker an Hunderttausenden Elefanten in den 70er und 80er Jahren zu beenden. Doch seit 1997 wurde dieses Verbot schrittweise unterminiert. Ende 2008 durften vier Länder (Südafrika, Namibia, Botsuana und Simbabwe) 108 Tonnen aus Lagerbeständen nach China und Japan verkaufen. Seither eskalierten Elfenbeinschmuggel und Wilderei, die Schwarzmarktpreise in Asien stiegen auf 1.863 US Dollar pro Kilogramm.

