Exotenhandel

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Todeskandidaten im Wohnzimmer

Hunderte Millionen Zierfische sterben alljährlich in deutschen Aquarien – Viele stammen aus der freien Wildbahn

München, 22. Februar 2000 – In deutschen Aquarien schwimmen etwa 80 Millionen Zierfische. Dieser Besatz wird durchschnittlich viermal im Jahr ausgetauscht, 320 Millionen Zierfische werden demnach pro Jahr von deutschen Aquarienbesitzern regelrecht „verbraucht“. Nach Angaben von Pro Wildlife ist die Aquaristik damit eines der größten Tier- und Artenschutzprobleme. Insbesondere der Bereich der Meeresaquaristik erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Doch etwa 95% der farbenfrohen Korallenfische sind Wildfänge. Dies hat fatale Folgen für den gesamten Lebensraum. „Deutschland ist ein führendes Importland für Zierfische und trägt eine erhebliche Mitschuld an der Zerstörung der Natur“, betont Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Während Süßwasserfische inzwischen zum Großteil Nachzuchten sind, werden immer noch nahezu alle Korallenfische der Natur entrissen. Immer neue Arten, wie z.B. der Banggai-Kardinalsbarsch, tauchen im Handel auf, obwohl sie in der Natur nur ein begrenztes Verbreitungsgebiet haben und leicht ausgerottet werden können. Die Tiere werden oft mit dem Nervengift Natriumcyanid gefangen, dass in das Korallenriff eingespritzt wird. Betäubte Fische können so mühelos eingesammelt werden. Doch viele von ihnen – und mit ihnen auch unzählige andere Korallenbewohner - überleben diese rigide Fangmethode nicht.

„Durch den brutalen Fang, den oft tagelangen Transport in die Zielländer und die schlechten Bedingungen bei vielen Händlern sterben 50 bis 70 Prozent der Fische bereits vor Ankunft beim Endabnehmer“, so Dr. Sandra Altherr. „Die überlebenden Tiere schleppen oft Krankheiten ein, so dass auf einen Schlag ein gesamter Aquarienbesatz vernichtet wird.“

Ein weiteres Problem ist der oft mangelhafte Wissensstand der Halter von Zierfischen. Fische werden häufig spontan gekauft, ohne dass der Besitzer die Bedürfnisse der einzelnen Arten kennt. So werden Tiere zusammengesetzt, die unverträglich sind oder verschiedene Wasserwerte benötigen, ganz nach dem Motto „Lernen durch Verbrauchen “. Verluste sind vorprogrammiert: „80 Prozent der Fische verenden an Haltungsfehlern“, so Altherr.

„Im Tier- und Artenschutzrecht werden Zierfische bisher völlig vernachlässigt“, kritisiert Pro Wildlife. So werden z.B. die Importe von Zierfischen nach Deutschland nicht nach Anzahl und Art erfasst, sondern nur nach Tonnen. Keine einzige Zierfischart ist derzeit nach deutschem Recht oder gar international geschützt.

„Der völlig unkontrollierte Handel mit Wildtieren, wie den empfindlichen Zierfischen, muss endlich eingeschränkt werden", fordert die Münchner Tier- und Artenschutzorganisation: „Ebenso ist das millionenfache Sterben in deutschen Aquarien nicht mehr länger hinnehmbar“.