Wale und Delfine
IWC 2006: Gnadenfrist für Wale
Erstmalige Mehrheit der Walfangländer reicht nicht aus, um Schutz der Meeresriesen zu torpedieren
München/ St. Kitts, den 21. Juni 2006: Auf der gestern in St. Kitts (Karibik) zu Ende gegangenen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) kam zwar erstmals seit Jahrzehnten eine Mehrheit für die Walfangländer zustande, doch das Fangverbot bleibt weiterhin bestehen. „2006 muss als Warnschuss für die Walschützer gesehen werden“, so Dr. Sandra Altherr, Meeresexpertin von Pro Wildlife. „Die Walschutzländer müssen nun mit großem Nachdruck Sanktionen für die IWC durchsetzen, bevor die Walfangländer das Ruder in der IWC vollends übernehmen“.
Die spektakulärste Entscheidung der diesjährigen IWC war eindeutig die so genannte „St. Kitts and Nevis Deklaration“ der Walfang-befürwortenden Länder, die der IWC Funktionsunfähigkeit vorwirft und das seit 1986 geltende weltweite Walfangmoratorium als überflüssig bezeichnet. Diese Deklaration wurde mit 33 zu 32 Stimmen angenommen – also einer erstmaligen Mehrheit des Walfanglagers. Diese Mehrheit hat Japan durch großzügige Entwicklungshilfezahlungen an zahlreiche neue IWC-Mitgliedsstaaten ermöglicht. „Da nehmen Kambodscha, die Marshall-Inseln und Guatemala in diesem Jahr erstmals an der IWC teil und bescheinigen diesem Gremium nur drei Tage später die Nutzlosigkeit – dreister kann Stimmenkauf nicht demonstriert werden“, kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin.
Die St. Kitts and Nevis Deklaration ist zwar als Warnschuss für eine sehr ernste Entwicklung im Walschutz zu sehen, das Ende des Walfangverbotes ist sie jedoch nicht: „Um das Moratorium aufzuheben, braucht es eine Dreiviertelmehrheit – und davon sind Japan und seine Komparsen noch weit entfernt“, betont Altherr. Sie verweist auf weitere Ergebnisse der diesjährigen IWC, die durchaus positiv zu betrachten sind:
- Japans Antrag auf Geheimabstimmung wurde – wie in vielen Jahren zuvor – abgelehnt. Mit Geheimabstimmungen versucht Japan, die Früchte seines systematischen Stimmenkaufes unter den IWC-Mitgliedsstaaten zu verschleiern, doch die Mehrheit der IWC spricht sich auch weiterhin für transparente Entscheidungen aus.
- Auch Japans Antrag auf eine jährliche Fangquote von je 150 Zwerg- und Brydewalen im Rahmen eines so genannten „Küstenwalfangs“ wurde mit 31 zu 30 Stimmen zurückgewiesen. „Japan versucht seit Jahren, neben dem Ureinwohnerwalfang, der von der IWC anerkannt wird, eine neue Kategorie von Walfang zu etablieren – immer noch vergeblich“, erläutert die Pro Wildlife-Expertin.
- Japans Versuch, den Schutz von Kleinwalen und Delfinen aus der Tagesordnung der IWC streichen zu lassen, ist ebenfalls kläglich gescheitert. Somit konnte die IWC ihre Arbeit zu den kleinen Meeressäugern weiterführen, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt auf den Schutz von Hafenschweinswalen (Golf von Mexiko) und dem nur im chinesischen Fluss Yangtse vorkommenden Flussdelfin Baiji.
Eine Studie von Pro Wildlife und der Schweizer Organisation OCEANCARE zu Sanktionsmöglichkeiten der IWC wurde auf der Tagung mit großem Interesse aufgenommen. „Für viele IWC-Delegierte ist unsere Studie ein hilfreiches Argument, dass Sanktionsmöglichkeiten in anderen internationalen Umweltabkommen längst gängige Praxis sind. Nun muss die IWC handeln – und zwar schnell, solange sie noch nicht voll-ständig von den Interessen der Walfangländer dominiert wird“, so Altherr abschließend.

