Presseinformation: Island / Walfang
Walfang: USA droht Island mit Handelssanktionen
Island als Umweltsünder eingestuft
München, 20. Juli 2011. Das US-Innenministerium hat heute bekanntgegeben, Island wegen seines Walfangs den Status eines Fischerei- und Umweltsünders zu attestieren. Diese Einstufung Islands nach dem sogenannten Pelly Amendment ermöglicht es US-Präsident Barack Obama, binnen sechs Wochen Handelssanktionen gegen den europäischen Inselstaat einzuleiten. „Island hat in den letzten zwei Jahren 273 Finnwale gefangen und seither 1.200 Tonnen Walfleisch nach Japan exportiert. Damit setzt sich das Land über die Beschlüsse der Internationalen Walfangkommission und des Washingtoner Artenschutzübereinkommens hinweg“, erläutert Dr. Sandra Altherr, Sprecherin von Pro Wildlife, die Hintergründe der US-Entscheidung. „Der Schritt der USA ist überfällig, um Island endlich zur Räson zu bringen.“ 2006 hat Island den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen, trotz eines Moratoriums der IWC.
Die dem US-Innenministerium angehörende Meeresschutzbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) verkündete heute die Entscheidung. Handelssanktionen der USA würden Island empfindlich treffen, denn Fischprodukte machen über Dreiviertel der Exporte aus. „Neben der EU sind die USA wichtigster Absatzmarkt für Islands Fischer“, so Altherr. „Beschließt Präsident Obama die Sanktionen, könnten US-Firmen, die trotzdem isländischen Fisch importieren, mit Bußgeldern bis 25.000 US Dollar bestraft werden.“ Bereits 2004 hatten die USA Island per Pelly Amendment als Umweltsünder eingestuft. Damals hatte sich die Regierung jedoch gegen Sanktionen entschieden, da man noch auf ein Einsehen in Reykjavik hoffte. Nun erwarten Umweltverbände in aller Welt, dass Obama diesmal es nicht bei der Drohgebärde lässt, sondern tatsächlich die Konsequenzen zieht: „Die EU hat Island bereits die Rote Karte gezeigt: Wer der EU beitreten will, muss den Walfang beenden. Die USA hat nun die Chance, den Druck weiter zu erhöhen,“ betont Altherr.
Der Strippenzieher in Islands Walfang
Hinter Islands Finnwalfang steckt eine einzige Person: Der wohlhabende und einflussreiche Geschäftsmann Kristjan Loftsson ist Besitzer der Firma Hvalur HF und den für die Finnwaljagd ausgestattetenen Schiffen Hvalur 6 bis 9. Über ein Firmengeflecht vom Fischerei- bis zum Investmentsektor bestimmt Loftsson maßgeblich die isländische Walfangpolitik. Auch die Exporte von Walfleisch nach Japan wurden von ihm subventioniert, um dort einen Absatzmarkt aufzubauen.
Fakten zu Islands Walfang
Island war in der Vergangenheit eines der aktivsten Walfangländer. Das kommerzielle Walfangmoratorium der IWC von 1986 beendete dies zwischenzeitlich. Doch 2003 revidierte Island seine Position und nahm, zunächst unter dem Schlupfloch des „Wissenschaftswalfangs“ die Jagd auf Zwerg- und Finnwale wieder auf. Seit 2006 werden die Wale ganz offiziell mit kommerziellem Hintergrund gefangen – dabei beruft sich Island auf seinen formellen Vorbehalt gegen das Moratorium. Mangels Nachfrage im eigenen Land und im anvisierten Absatzmarkt Japan stapeln sich inzwischen in isländischen Kühlhallen 2.200 Tonnen Walfleisch.



