Presseinformation: Affen

Forscher fordern schärfere Jagdgesetze

Wissenschaftler aus aller Welt warnen vor dramatischen Folgen der Affenjagd für die Artenvielfalt

Bonn/München, 20. Mai 2008. Schärfere Jagdgesetze und größere Schutzgebiete fordern 92 internationale Wissenschaftler von den Teilnehmern der laufenden UN-Konferenz zur Biodiversität in Bonn. Experten aus Ökologie, Botanik und Anthropologie unterzeichneten einen offenen Brief an die Delegierten. Die Forscher verweisen darin auf die Schlüsselrolle von Affen und anderen bejagten Arten für die Tropenwälder. Werden diese ausgerottet, fehlen sie als Verbreiter von Pflanzensamen. Dies verändere die Vielfalt und somit die Stabilität der letzten Tropenwälder dramatisch, so die Warnung der Wissenschaftler.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hatte den gemeinsamen Appell der Wissenschaftler veranlasst: „Überall in den Tropen werden Tiere wie Affen durch die Jagd fast ausgerottet. Jagdgesetze werden nicht umgesetzt, die vorhandenen Schutzgebiete sind völlig unzureichend“, berichtet Dr. Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. Besonders folgenschwer ist das Ausmaß der Jagd im Amazonasgebiet, in Südostasien, in Zentral- und Westafrika sowie auf Madagaskar. Gerade hier existieren die wichtigsten Waldgebiete der Erde.

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern aus aller Welt fordert Pro Wildlife von den CBD-Staaten sofortige Maßnahmen gegen die zerstörerische Jagd: „Die Jagdgesetze müssen weltweit nicht nur verschärft, sondern auch konsequent umgesetzt werden. Wir brauchen biologische Korridore und müssen die Schutzgebiete vergrößern. Außerdem sollen sich die Länder verpflichten, Aufklärungskampagnen durchzuführen, damit die lokale Bevölkerung kein Buschfleisch mehr isst, fasst die Pro Wildlife Sprecherin die Forderungen zusammen.

Die Teilnehmer der Konferenz zu Biodiversität (engl. CBD) diskutieren noch bis zum 30. Mai in Bonn Maßnahmen, um die Wälder zu erhalten. Die Artenschützer hoffen auf Unterstützung der teilnehmenden Staaten: „Bisher hat die Konvention das Thema Buschfleisch sträflich vernachlässigt. Sie hatte immer nur das Verschwinden einzelner bejagter Arten im Auge. Dieser Verlust ist schon schlimm genug, doch wenn Schlüsselarten wie Affen aussterben, stehen ganze Ökosysteme auf der Kippe. Und genau das wollen wir den CBD-Teilnehmern deutlich machen“, betont die Pro Wildlife-Sprecherin.

Die 190 CBD-Mitgliedsstaaten sind aufgefordert, diese Maßnahmen in ihrem Gesamtpaket zum Schutz der weltweiten Wälder aufzunehmen. Die CBD will bis 2010 ein weltweites Netzwerk an Schutzgebieten aufbauen, vor allem in Waldregionen. „In der Praxis ist dieses Ziel in weiter Ferne. Bereits bestehende Schutzgebiete sind zudem unzureichend gesichert. Die Konferenz ist die letzte Chance, die Notbremse zu ziehen“, so Altherr abschließend.