Presseinformation: Bären

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EU stoppt Einfuhr von Grizzly-Jagdtrophäen

EU: Kanada muss Bären besser schützen Deutsche nach US-Amerikanern eifrigste Bärentöter

München, den 20. Januar 2004 – Jäger dürfen zukünftig keine Trophäen von Grizzlybären aus der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien (BC) in die Europäische Union (EU) einführen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife, die seit langem ein Einfuhrverbot fordert, begrüßt die einstimmige Entscheidung. Eine Expertengruppe der 15 EU-Länder verhängte den Importstopp weil Britisch Kolumbien, eines der wichtigsten verbliebenen Verbreitungsgebiete, keine Fortschritte im Bärenschutz macht. Die Provinz ist beliebtes Reiseziel für Hobbyjäger aus dem Ausland, insbesondere aus den USA, aus Deutschland und Österreich.

Obwohl Grizzlybären in weiten Teilen Kanadas als bedroht gelten, gibt die Regierung nach wie vor jedes Jahr Hunderte Tiere zum Abschuss durch betuchte Trophäenjäger frei: Knapp 13.000 Grizzlies wurden in 38 Jahren alleine in Britisch Kolumbien erlegt – ein Aderlass, den die Bestände nach Expertenmeinung nicht verkraften. In deutschen Jagdzimmern enden mehr kanadische Grizzlies als Wanddekoration als in jedem anderen EU-Land. "Der EU-Einfuhrstopp war längst überfällig und sollte Kanada endlich zum Umdenken bewegen. Denn kaum ein Jäger wird zukünftig noch bereit sein, 10.000 Dollar in eine Bärenjagd zu investieren, wenn er am Ende keine Trophäe mit nach Hause bringen kann," so Daniela Freyer von Pro Wildlife. "Es ist höchste Zeit, dass Britisch Kolumbien ein um-fassendes Schutzkonzept für den nordamerikanischen Braunbären verwirklicht. Doch die Provinzregierung macht seit Jahren nur leere Versprechungen," ergänzt die Pro Wildlife-Expertin.

Der Grizzly wurde in 99 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in den USA bereits ausgerottet. Auch in Kanada, wo er als gefährdete Tierart eingestuft ist, schrumpft sein Verbreitungsgebiet kontinuierlich: Die Regierung der Provinz Britisch Kolumbien lässt zu, wie der Lebensraum im großen Maßstab durch Holzeinschlag, Straßen- und Bergbau zerstört wird. Zugleich genehmigt sie den massiven Abschuss von Grizzlybären durch Hobbyjäger.

Wissenschaftler und Artenschützer warnen seit langem vor Bestandsrückgängen der Grizzlybären. Die EU hatte bereits Ende 2001 die Einfuhr von Grizzlytrophäen untersagt, nahm die Entscheidung aber wenige Monate später zurück, nachdem die Regierung Britisch Kolumbiens vollmundige Versprechungen zum Bärenschutz abgegeben hatte. Infolge eines kritischen Berichtes staatlich bestellter Gutachter setzte die EU im Sommer 2003 ein Ultimatum, bis zu dem die Regierung Britisch Kolumbiens wichtige Verbesserungen im Bärenschutz umsetzen sollte. Hierzu gehört u.a. die Schaffung großräumiger Schutzgebiete, in denen die Bären vor Jägern sicher sind sowie zuverlässige Bestandszählungen. Nachdem die Kanadier ihre Versprechungen erneut nicht in die Tat umsetzten zog die EU nun Konsequenzen und verhängte einen sofortigen Einfuhrstopp für Grizzlytrophäen aus BC.

"Anstatt weiterhin den Interessen der Jagdlobby nachzugeben sollte Britisch Kolumbiens Regierung zukünftig verstärkt auf den Naturtourismus setzen", so Pro Wildlife-Expertin Freyer. Kanadas Tourismusbranche lebt vom Image der nahezu unberührten Natur, die Beobachtung lebender Grizzlybären bringt fast doppelt soviel Geld ein wie die Trophäenjagd. Etwa 350.000 Deutsche besuchen das Land jährlich. "Wenn Britisch Kolumbien jetzt nicht auf den Schutz der Grizzlies setzt bringt sich die Provinz noch weiter in Misskredit und schadet dem internationalen Ruf des Landes - im Artenschutz aber auch als begehrtes Urlaubsland für Naturtouristen”, so die Biologin abschließend.