Wale und Delfine

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Letztes Einhorn bald ausgerottet?

Grönland erhöht Fangquote für bedrohte Narwale massiv – und unterläuft internationale Schutzbestimmungen

München, den 19. Dezember 2006: Grönland hat zum Jahresende seine eigenmächtige Fangquote für Narwale in Westgrönland um 100 auf 385 Tiere erhöht. „Damit riskiert die zu Dänemark gehörende Insel die Ausrottung der einzigen Stoßzahn-tragenden Meeressäuger“ kritisiert Dr. Sandra Altherr, Meeresexpertin von Pro Wildlife. Noch im Juli diesen Jahres hat Grönland auf einer Tagung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) ein Exportstopp für Narwalprodukte zugesagt, um drohenden Handelssanktionen zu entgehen – trotzdem geht die rücksichtslose Jagd ungebremst weiter. Die Narwale wurden innerhalb weniger Jahrzehnte auf einen Viertel ihres Bestandes dezimiert. Die aktuelle Quotenerhöhung ist unverantwortlich.

Narwale (Monodon monoceros)  leben nur in arktischen Meeresbereichen und werden auch „Einhörner der Meere“ genannt, da die Männchen einen bis zu 3 Meter langen spiralförmig gedrehten Stoßzahn tragen. Ähnlich dem Elfenbein ist der Stoßzahn Grundmaterial für Schnitzereien und eine Ursache für die intensive Jagd auf die Narwal-Männchen. „Pro Meter ist ein Stoßzahn 300 bis 600 Euro wert – je länger desto teurer“, erläutert Altherr.

Seit vielen Jahren steht Grönland wegen der Narwaljagd im Zentrum internationaler Kritik. Gerade die Westgrönland-Population (4.500-7.800 Tiere) ist besonders bedroht, wie die grönländische Wissenschaftsbehörde selbst zugeben musste. Sogar der nordische Walfänger-Dachverband NAMMCO empfahl immer wieder eine Reduktion der Fangquote auf ein Fünftel. Aktuell empfahl auch die zuständige Behörde in Grönland eine maximale Quote von 135 Tieren – die grönländische Regierung ignorierte dies und erhöhte stattdessen vergangene Woche die Quote auf 385 Tiere, also fast das Dreifache. Die demokratische Opposition in Grönland bezeichnet diese Entscheidung als mögliche Katastrophe für die Narwale und befürchtet nun internationale Sanktionen.

Diese Befürchtung ist nicht unbegründet, wenngleich sich Grönland bisher den schärfsten Sanktionen durch geschickte diplomatische Manöver zu entziehen wusste:

  • Vor genau zwei Jahren erließ die EU aus Artenschutzgründen ein Importverbot für Narwalprodukte – allerdings mit großzügigen Ausnahmen.
  • Die Bedrohung des Narwals war auch Thema auf Sitzungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA), zuletzt im Juli 2006. Da Dänemark hier zugeben musste, dass die Jagd nicht nachhaltig ist, hätten dem Land in letzter Instanz sogar Handelssanktionen durch das WA drohen können. Um dem zu entgehen, erklärte Grönland noch im Juni eine Nullquote für Narwalexporte. „Dies ist ein übles Täuschungsmanöver, wie sich nun herausstellt!“ so die PRO WILDLIFE-Sprecherin. „Grönland will kurzfristig die Wellen der Empörung glätten und offenbar einen Vorrat der wertvollen Stoßzähne einlagern, bis ein internationaler Handel wieder in größerem Umfang möglich ist“.

„Für den Narwal-Bestand in Westgrönland könnte die neue Jagdquote den Todesstoß bedeuten, denn die Tiere haben ohnehin mit Meereserwärmung und außerordentlich hoher Schadstoffbelastung zu kämpfen“, erläutert die Pro Wildlife-Expertin. Die Artenschützer fordern die EU auf, umgehend Druck auf Grönland und Dänemark auszuüben, um den EU-weit geltenden höchsten Schutz des Narwals durchzusetzen. Bereits bei der letzten Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni 2006 war Dänemark ausgeschert und hatte bei wichtigen Abstimmungen den Walfangländern erstmals eine Mehrheit gesichert…