Wale und Delfine
Appell für die vergessenen Wale
Pro Wildlife fordert zum Auftakt der Walfangtagung stärkeren Schutz für Kleinwale und Delfine
München/ Sorrento, den 19. Juli 2004 – Auf der heute beginnenden 56. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) steht die Jagd auf Großwale durch Island, Norwegen und Japan im Mittelpunkt. Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife verweist dagegen auf die alarmierende Situation von Kleinwalen und Delfinen sowie deren völlig unzureichende internationale Schutzbestimmungen: „Die kleinen Meeressäuger sind im Gegensatz zu den Großwalen nahezu vogelfrei. Tausende Belugas, Narwale, Streifendelfine und andere bedrohte Arten werden jährlich abgeschlachtet“, kritisiert Dr. Sandra Altherr, Biologin und Meeresexpertin von Pro Wildlife. Sie fordert die IWC auf, v.a. gegen die Massaker in Dänemark und Japan vorzugehen: „Die kleinen Meeressäuger dürfen nicht länger vergessen bleiben.“
1986 beschloss die Internationale Walfangkommission ein weltweites Fangverbot für Großwale. Auch der internationale Handel mit Walprodukten ist seit 1986 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unzulässig. Zwar nutzen Japan, Norwegen und Island Schlupflöcher, um diese Verbote zu unterwandern, doch werden heute weitaus weniger Großwale getötet als noch vor einigen Jahrzehnten. Im Gegensatz dazu hat sich die Situation von Kleinwalen und Delfinen drastisch verschlimmert:
- In JAPAN dient das Fleisch der Kleinwale und Delfine als Ersatz für das begehrte Fleisch von Großwalen: Zehntausende Hafenschweinswale, Streifendelfine, Große Tümmler und Fleckendelfine wurden alljährlich getötet, bis Pro Wildlife Filmmaterial von den grausamen Massakern veröffentlichte. Eine anschließende internationale Protestwelle konnte die Massentötungen im Fischerort Futo beenden, doch in anderen japanischen Gemeinden wie Taiji geht die Jagd weiter, einige der betroffenen Arten sind inzwischen von der Ausrottung bedroht.
- In GRÖNLAND (zu Dänemark gehörig) werden jeweils circa 600 Belugas (= Weißwale) und Narwale pro Jahr getötet. Beide Arten sind extrem selten geworden, doch die eigenmächtig gesetzten Jagdquoten bleiben unverantwortlich hoch. Die Bestände sind dramatisch zurückgegangen, das Überleben beider Arten steht inzwischen auf der Kippe. Trotzdem ignoriert Dänemark alle Warnungen von Wissenschaftlern und Artenschützern.
- Auf den dänischen FÄRÖER-INSELN sterben jedes Jahr Hunderte Grindwale und Dutzende andere Kleinwale und Delfine. Die nordeuropäischen Inselbewohner berufen sich dabei auf eine Tradition aus Wikingertagen. Ganze Herden („Schulen“) der kleinen Meeressäuger werden in Buchten getrieben und mit Eisenhaken und Messern getötet. So starben im Juni erneut Grindwale. Vor allem die barbarischen Tötungsmethoden sind Anlass für internationale Kritik.
Pro Wildlife fordert seit Jahren ein stärkeres Engagement der IWC für das Überleben der Kleinwale und Delfine. „Trotz des Widerstandes der Walfangländer, die der IWC schlichtweg die Kompetenz für kleine Meeressäuger absprechen, konnten wir im vergangenen Jahr erreichen, dass die IWC im Rahmen der sog. 'Berlin-Initiative' dieser Forderung nachkommt“, berichtet Altherr. Doch in diesem Jahr ist erstmals seit 30 Jahren eine Mehrheit der Walfangländer bei der IWC zu erwarten. Pro Wildlife befürchtet deshalb, dass Japan, Dänemark und Co. alle Bemühungen der Artenschützer für einen stärkeren Schutz der Kleinwale zunichte machen werden.



