Presseinformation: Urwaldschutz
Urwaldschutz: EU vertagt und versagt
Pro Wildlife fordert Importverbot für illegale Hölzer
München, 19. März 2008. Anlässlich des Welttages des Waldes am 21. März fordert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife die Europäische Union (EU) auf, die Einfuhr illegal geschlagener Hölzer zu stoppen. „Illegaler Holzeinschlag ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Wäldern weltweit. Das Holz darf bei uns importiert werden - und die EU schaut tatenlos zu“, sagt Jana Rudnick, Waldexpertin von Pro Wildlife. Auch die Bundesregierung hat wiederholt Chancen vertan, den Raubbau zu bekämpfen.
Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller weltweiten Tropenholzimporte stammt aus Raubbau. Kaum zu glauben: Obwohl illegal abgeholzt, kann das Holz bei uns ganz legal gehandelt werden – oft zu Dumpingpreisen.
Nur verbindliche Regelungen können Urwaldzerstörung stoppen
Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO gehen jährlich 13 Millionen Hektar Wald verloren. Die tatsächlichen Verluste sind noch höher, da die FAO aufgeforstete Flächen sowie artenarme und ökologisch bedenkliche Plantagen als Zuwachs gegenrechnet. Mit einem Importverbot für illegale Hölzer hätte die EU die Möglichkeit, gegen die Zerstörung vorzugehen, doch sie zaudert. Ein bereits 2003 beschlossener Aktionsplan beinhaltet bilaterale freiwillige Abkommen mit Holzherkunftsländern, die eine legale Herkunft von Hölzern garantieren, um im Gegenzug in der EU einen Marktvorteil zu bekommen.
Der EU-Aktionsplan: ein zahnloser Tiger
In der Praxis kam jedoch bis heute mit keinem Holzexportland eine verbindliche Vereinbarung zustande: „Malaysia, Indonesien, Gabun, Ghana, Kamerun und Liberia sind in lockeren Gesprächen mit der EU – doch bis heute gibt es keine Einigung, was unter „legalem Holzeinschlag“ zu verstehen ist“ berichtet Rudnick. „Die Verhandlungen können sich bis zum Sankt-Nimmerleinstag hinziehen – während der Urwald stirbt“.
Die Tore der EU für illegale Hölzer bleiben derweil weit geöffnet. Selbst Länder mit massivem illegalem Holzeinschlag wie Brasilien (80%), Honduras (bis 85%) oder Papua Neuguinea (70%) können ihre heiße Ware ungehindert in die EU absetzen. „Nicht nur unsere Nachfrage nach Gartenmöbeln, Parkett und Fensterrahmen, sondern auch der immense Verbrauch von Papier und Zellstoffen bedroht die Urwälder weltweit“, erläutert die Pro Wildlife-Sprecherin. Papier und Zellstoffe sind bislang in der EU-Verordnung nicht einmal berücksichtigt, obwohl diese in Deutschland zwei Drittel der Holzimporte ausmachen.
In Deutschland bereitete erstmals 2006 der damalige Umweltminister Jürgen Trittin ein Urwaldschutzgesetz vor, das innerhalb Deutschlands den Handel mit illegal gewonnenen Hölzern untersagt hätte. Der Regierungswechsel und Formfehler verhinderten, dass das Gesetz verabschiedet wurde. Eine fachlich überarbeitete Fassung lehnt der heutige Umweltminister Sigmar Gabriel bis heute ab.
Ende der 70er Jahre hat die Welternährungsorganisation FAO als Reaktion auf die globale Waldvernichtung den 21. März zum "Internationalen Tag des Waldes" ausgerufen.



