Presseinformation: Walfang

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Walfangtagung: Streit um Handel mit Walfleisch

Widerstand gegen umstrittenen Walfang-Kompromiss wächst

Buckelwale©NOAAAgadir/München, 18. Juni 2010. Bei den Vorverhandlungen zur Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Agadir wächst die Kritik an einem Kompromissvorschlag zum Walfang. Dieser würde Island, Norwegen und Japan erlauben, bis zu 1.400 Wale jährlich zu jagen – sogar im Schutzgebiet. Auch für stark bedrohte Arten gäbe es demnach Fangquoten. Vom 21. bis 25. Juni tagen in Agadir/Marokko die 88 Mitgliedsstaaten der IWC. Am heutigen Freitag legt die EU ihre Position zum Walfang fest. Als mächtiger Stimmblock auf der IWC könnte sie den umstrittenen Kompromiss zu Fall bringen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert den IWC-Vorschlag seit langem. „Wir sehen diesen Kompromiss mit größter Sorge: Ziel dieser Verhandlungen muss ein Ende des Walfangs sein – und nicht seine Legitimierung“, sagt Pro Wildlife Sprecherin Dr. Sandra Altherr, die an der IWC-Tagung teilnimmt. „Gift und Lärm in den Weltmeeren bedrohen die Wale ohnehin stark. Die Mitgliedsstaaten der IWC müssen sich endlich zum Schutz der Wale bekennen.“

EU fordert umfassende Nachbesserungen des Walfangkompromisses

In der EU mehren sich Stimmen, die den Kompromiss als völlig unausgewogen bezeichnen: Sie kritisieren, dass die Zugeständnisse an die Walfänger weitaus größer seien als die an die Walschützer. So würde zwar der Walfang auf der Südhalbkugel verringert, auf der Nordhalbkugel wäre die Jagd auf Meeressäuger dagegen kaum eingeschränkt. Die Ständigen Vertreter der EU in Brüssel wollen am heutigen Freitag eine EU-Position beschließen, die deutlich schärfer ist als die zahnlosen Versionen der letzten Wochen. Pro Wildlife erwartet, dass die EU ein konkretes Ende des Walfangs im Antarktisschutzgebiet fordert und Norwegen und Island zu größeren Zugeständnissen drängt. Auch verlangen immer mehr EU-Länder, den Walfang auf den lokalen Markt zu beschränken und Exporte ausdrücklich zu verbieten. Es zeichnet sich ab, dass selbst kompromissfreudige Länder wie Dänemark, Schweden und die USA sich nun dieser Position anschließen.

Internationaler Handel wird zur Gretchenfrage

Altherr beobachtet, dass vor allem die Forderung Englands und Deutschlands, dass Walfang nur für den lokalen Verbrauch stattfinden darf, in der EU immer mehr Unterstützer findet. Für Island ist diese Beschränkung inakzeptabel. „Islands gesamte Finnwaljagd ist auf den Export nach Japan ausgerichtet“, so Altherr. „Allein 2010 wurden aus Island 370 Tonnen Walfleisch im Wert von fast fünf Millionen Euro nach Japan verschifft. Eine Beschränkung auf den lokalen Markt will Island keinesfalls akzeptieren.“

Alternativen zum Kompromiss

„Viele IWC-Staaten befürchten, dass Island, Norwegen und Japan auch künftig eigenmächtig Quoten setzen und ihrer Jagd nachgehen, sollten die Verhandlungen platzen“, sagt Altherr. Doch Island möchte der EU beitreten, wo Walfang und Handel mit Walfleisch ohnehin verboten sind. „Kommerzieller Walfang ist ohne Frage ein Auslaufmodell – nun gilt es, ein möglichst schnelles Ende zu erreichen“, so Altherr. „In Norwegen und Japan stagniert die Nachfrage nach Walfleisch trotz aller Bemühungen, Käufer zu finden. Die Kühlhallen quellen über“, so die Pro Wildlife-Sprecherin. „Zudem wird immer deutlicher, wie belastet Walfleisch mit Giftstoffen ist, was den Absatz noch weiter dämpft. Eine Debatte innerhalb der IWC zu ungesunden Schwermetallen und Chlorverbindungen in Walfleisch könnte das Ende des Walfangs beschleunigen“, so Altherr. Die Artenschutzorganisation drängt auf stärkeren politischen Druck der Walschutz-Länder auf Island, Norwegen und Japan.