Elefanten
Elfenbeinhandel: Spiel mit dem Feuer
Konferenz diskutiert Auflagen für Verkauf von 60 Tonnen Elfenbein - Artenschützer befürchten Anstieg von Wilderei und Schmuggel
München/ Genf, den 18. April 2003 – In wenigen Tagen sollen die Konditionen für die umstrittene Freigabe des Elfenbeinhandels festgelegt werden. Vom 22.–25. April tagt der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommens WA in Genf. Bei der letzten WA-Tagung im November hatten drei Staaten den Verkauf von insgesamt 60 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen durchgesetzt. In Genf sollen nun Rahmenbedingungen für den Verkauf festgelegt werden, um eine Eskalation von Wilderei und Elfenbeinschmuggel zu verhindern. Artenschützer bezweifeln allerdings die Umsetzung ausreichender Sicherheitsvorkehrungen und lehnen den Elfenbeinhandel ab: „Die Behauptung, der Elfenbeinhandel sei kontrollierbar, wird durch alle Erfahrungen der Vergangenheit widerlegt", so Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Nachdem die WA-Konferenz den Verkauf bereits in Aussicht gestellt hat, gilt es nun, das Schlimmste zu verhindern. “ Der Ständige Ausschuss muss einen Notfallmechanismus festlegen und sicherstellen, dass alle Auflagen eingehalten werden. „Beim ersten Anzeichen für einen Anstieg von Wilderei oder Elfenbeinschmuggel muss der Handel sofort unterbunden werden“, so die Pro Wildlife-Expertin. Deutschland als Vertreter Europas beim Ständigen Ausschusses teilnehmen.
Als Konsequenz aus verheerender Wilderei und dem Zusammenbruch vieler Elefantenbestände in Afrika erließ das WA 1989 ein absolutes Handelsverbot für Elfenbein. Im Jahr 1997 setzten drei südafrikanische Länder erstmals wieder einen "einmaligen" Verkauf von Elfenbein aus Lagerbeständen durch, der 18 Monate später stattfand. Offizielle Daten belegten seither bereits einen Anstieg des Elfenbeinschmuggels in Afrika und Asien. Dennoch wurde auf der letzten WA-Konferenz erneut drei südafrikanischen Staaten (diesmal Botsuana, Namibia und Südafrika) der Verkauf von insgesamt 60 Tonnen Stoßzähnen ab Mai 2004 in Aussicht gestellt: Der Ständige Ausschuss des WA soll nun in Genf die Bedingungen festlegen, unter denen der Elfenbeinhandel kontrolliert stattfinden kann.
Die Handels- und Verarbeitungskette für Elfenbein (vom Stoßzahn bis zur Schnitzerei) bietet zahlreiche Möglichkeiten, Schmuggelware in den legalen Handel einzuschleusen. In den 70er und 80er Jahren, als der Elfenbeinhandel noch nicht verboten, aber theoretisch kontrolliert war, fielen deshalb Hunderttausende Elefanten der Wilderei zum Opfer. Um dies zu verhindern, sind strenge Kontrollen nötig. Artenschützer fordern zudem ein lückenloses Registrierungssystem, das es ermöglicht, die Herkunft der Elfenbeinprodukte bis zum Rohelfenbein und dessen Ursprungsland zu verfolgen und so legales von illegalem Elfenbein zu unterscheiden. Doch bisher fehlen solche Sicherheitsvorkehrungen. Artenschutzorganisationen kritisieren jedoch mangelnde Kontrollen und die unzureichende Gesetzeslage im wahrscheinlichsten Absatzland Japan. Doch auch Exportstaaten stehen in der Kritik - insbesondere Südafrika, das die Bestimmungen des WA bis heute nicht in nationales Recht umgesetzt hat.
Selbst wenn ein lückenloses Kontrollsystem existieren würde, rechnen Experten damit, dass Wilderer wieder verstärkt Jagd auf das nun wieder lukrative Elfenbein machen werden: Elefanten bieten den mit modernen Waffen ausgerüsteten Wilderern ein leichtes Ziel – und die staatlichen Wildhüter sind kaum in der Lage, die Herden effektiv zu schützen. Um im Falle einer erneuten Eskalation der Wilderei den Handel notfalls stoppen zu können, sollen deshalb zwei Datenbanksysteme das Ausmaß von Wilderei und Schmuggel registrieren. Doch ein solcher Notfallmechanismus existiert heute ebenso wenig wie Daten eines dieser Kontrollsysteme. Das System MIKE (Monitoring of Illegal Killing of Elephants) hat bereits Millionen Dollar verschlungen, ohne zuverlässige Daten liefern zu können. Solche Daten wären allerdings nach einem Entschluss der WA-Staaten Voraussetzung für jeglichen Elfenbeinhandel. Wie diese Daten allerdings genau aussehen sollen, in welchem Umfang und in wie vielen Regionen Afrikas und Asiens sie erhoben werden, blieb jedoch offen. "Statt abzuwarten, bis tatsächlich verwertbare Daten vorliegen und Kontrollen etabliert sind, haben die Vertragsstaaten im November unter dem Druck der Handelsländer völlig übereilt die Weichen für den Elfenbeinverkauf gestellt. Der Ständige Ausschuss muss jetzt dafür sorgen, dass die angekündigten Kontrollen nicht zur Farce verkommen – die Folgen für Elefanten in Afrika und Asien wären fatal“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.
Pro Wildlife fordert auch die EU zu mehr Engagement für die Elefanten auf: "Die 15 EU Länder haben mit ihrer Enthaltung bei der Abstimmung im November die Freigabe des Elfenbeinhandels erst ermöglicht. Deshalb sind sie jetzt besonders in der Pflicht, sich für maximale Sicherheitsvorkehrungen einzusetzen", so Daniela Freyer von Pro Wildlife. Hätten die EU-Länder bei den Anträgen von Botsuana, Namibia und Südafrika mit Nein gestimmt, wären diese abgelehnt worden.

