Presseinformation: Affen
Rote Karte für Affenschmuggler?
Artenschutzkonferenz diskutiert Sanktionen für Länder, die den illegalen Handel von Menschenaffen dulden
Genf/München, 17. Juli 2008. Der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) berät am Donnerstag über die Frage, ob bestimmte Staaten mit einem Ultimatum dazu gezwungen werden können, gegen den illegalen Handel mit Primaten vorzugehen. Menschenaffen sind streng geschützt, doch viele Länder tolerieren den lukrativen Schmuggel. „Die Staatengemeinschaft darf nicht länger dulden, dass Gorillas und Schimpansen für den Tierhandel leiden und sterben. Das ist kein Kavaliersdelikt - alle Menschenaffen sind vom Aussterben bedroht“, sagt Dr. Sandra Altherr, die für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Trotz des Verbots fangen Wilderer jährlich tausende Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans und verkaufen sie unbehelligt als Statussymbol oder Touristenattraktion, zum Beispiel in Indonesien und Ägypten. Die Artenschützer fordern nun, diese Länder vom Wildtierhandel auszuschließen.
Neu geborene Schimpansenkinder, die halb tot von Tierhändlern feilgeboten werden, Gorillababys, die einsam in winzigen Verschlägen sitzen, abgeschlachtete Affenfamilien: Artenschützer präsentierten auf dem Treffen des Ständigen Ausschusses schockierende Videoaufnahmen des Journalisten Karl Ammann*, die dokumentieren, wie brutal Tierhändler vorgehen. „Diese Bilder sind kein Einzelfall: In West- und Zentralafrika töten Wilderer ganze Affenfamilien und schleusen die Jungtiere in den internationalen Handel ein“, sagt Altherr. „In vielen Ländern halten Hotels, Freizeitparks oder andere öffentliche Einrichtungen, aber auch Privatpersonen streng geschützte Schimpansen und Gorillas als Touristenattraktion - und die Behörden verschließen die Augen“. Für ein verkauftes Gorillababy sterben im Durchschnitt 16 Tiere.
Die Kairo-Connection: Menschenaffen als Schmuggelware
Besonders im Visier haben die Artenschützer Ägypten und Nigeria: „In Nigeria gibt es eine Familie, die seit 30 Jahren ungehindert im Schmuggel von Gorillas und Schimpansen die Strippen zieht. Sie ist für den Verkauf hunderter Menschenaffenbabys verantwortlich. Viele wurden nach Ägypten geschafft und von dort aus in den Mittleren Osten“, berichtet Altherr. Nigeria ist bisher der einzige Vertragsstaat des WA, für den ein Stopp des gesamten Wildtierhandels beschlossen wurde, weil der Tierschmuggel außer Kontrolle ist.
Indonesien: Mein Haus, mein Auto, mein Orang-Utan
Auch in Indonesien gilt die Haltung streng geschützter Tiere als Statussymbol. Sogar Beamte und Offiziere halten Orang-Utans oder Tiger – auch um zu signalisieren, dass sie politisch unantastbar sind. Hunderte Orang-Utans fristen ein karges Dasein an Ketten, in winzigen Käfigen oder Verschlägen oder werden außer Landes geschmuggelt. Dennoch hat die indonesische Regierung in den letzten vier Jahren nach eigenen Angaben nur 61 Tiere beschlagnahmt.



