Exotenhandel
Indonesiens krimineller Tierhandel
Illegaler Handel mit bedrohten Arten blüht - Pro Wildlife fordert Konsequenzen der EU und Deutschlands
München, den 16. September 2005: Pro Wildlife fordert gemeinsam mit seiner indonesischen Partnerorganisation ProFauna ein umgehendes Einschreiten gegen den Wildtierhandel in Indonesien. Hunderttausende Wildtiere werden in dem südostasiatischen Land alljährlich gefangen und gehandelt – ein Großteil dieses Handels ist illegal. Selbst streng geschützte Arten wie Orang-Utans, Tiger oder Molukken-Kakadus werden unter den Augen von Polizei und Behörden ungehindert verkauft. Der Wildtierhandel in Indonesien beläuft sich auf ca. 730 Mio. Euro pro Jahr. „Ein Importstopp der EU würde die Regierung in Jakarta unter immensen Handlungsdruck setzen und zudem einen wichtigen Absatzmarkt für Wildtiere aus Indonesien schließen“, betont Daniela Freyer von Pro Wildlife.
Die große Vielfalt indonesischer Tierarten ist akut bedroht: 95% der angebotenen Tiere stammen nach Informationen von ProFauna aus freier Wildbahn. Viele Arten kommen nur in Indonesien vor. Die Bestände vieler Vogelarten sind bereits aufgrund des wildwüchsigen Handels zusammengebrochen. Berüchtigt ist z.B. der Pramuka Wildtiermarkt in Jakarta, der größte seiner Art. Hier werden Hunderte ungeschützte Arten – von Reptilien über Vögeln bis zu Säugetieren – sowie streng geschützte Tiere gleichermaßen verkauft. Laut ProFauna sind auf dem indonesischen Schwarzmarkt akut vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans für 400 Euro und Java-Silbergibbons für 250 Euro erhältlich. Von dem für 1.600 Euro angebotenen Sumatratiger leben vermutlich nur noch 250 fortpflanzungsfähige Tiere in freier Wildbahn.
Zwar verbieten internationale Bestimmungen sowie indonesische Gesetze den Fang und Handel bestimmter Arten, darunter z.B. Orang-Utans und Papageien. Bis zu fünf Jahren Haft drohen illegalen Händlern auf dem Papier. Doch der Handel geht trotzdem ungehindert weiter, unter den Augen der indonesischen Behörden – die allgegenwärtige Korruption macht's möglich: Sogar Regierungsvertreter, Polizei und Militär sind in den Tierhandel verwickelt. Die indonesischen Artenschutzbehörden geben zu, dass sie Schwierigkeiten haben, den Handel zu kontrollieren und die angeblichen Nachzuchten zu überprüfen. Trotzdem stellen sie regelmäßig die erforderlichen Papiere aus und legalisieren damit auch den Export geschützter Tiere nach Europa.
Gegen den Ausverkauf der Natur formiert sich nun Widerstand: ProFauna fordert in einer aktuellen Protestaktion in Indonesien die Regierung auf, endlich streng durchzugreifen und die betroffenen Tiere zu konfiszieren. Seit 10 Jahren dokumentiert ProFauna den Wildtierhandel in Indonesien. Unterstützt wird ProFauna dabei von Pro Wildlife: "Wir warnen seit vielen Jahren vor den Artenschutzmissständen in Indonesien und beobachten, dass auch hier in Deutschland viele Tiere mit vermutlich illegaler Herkunft angeboten werden", berichtet Freyer.
Neben dem großen Inlandmarkt in Indonesien selbst ist die EU einer der Hauptabsatzmärkte für Wildtiere. Für den Export nach Europa werden Tiere oft als angebliche „Nachzuchten“ ausgegeben, um Schutzbestimmungen zu umgehen. Damit ist es nahezu unmöglich, zwischen legalem und illegalem Handel zu unterscheiden. Pro Wildlife fordert von Deutschland und der EU ein Importverbot für indonesische Wildtiere. „Die EU darf nicht länger tatenlos zusehen, wie die einzigartige Artenvielfalt Indonesiens hemmungslos geplündert wird“, kritisiert Freyer. Pro Wildlife setzt sich erfolgreich für die internationale Unterschutzstellung bedrohter Tierarten ein, wie z.B. des indonesischen Gelbwangenkakadus. Doch der illegale Handel droht diese Artenschutzerfolge zunichte zu machen.



