Meeresschutz
Die Fischtheke als Artenkiller
Räucheraal, Schillerlocke und Haisteak: Die EU will weltweite Handelsbeschränkungen für beliebte Speisefische
München, den 16. April 2007: Heute diskutiert die EU Schutzmaßnahmen für den Europäischen Aal, dessen Fangmenge in den letzten 25 Jahren um bis zu 99% abnahm. Zudem will sie auf der nächsten Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA, 3.-15. Juni 2007 in Den Haag) erstmals weltweite Handelsbeschränkungen für den Aal und zwei weitere beliebte Speisefische durchsetzen. „Die Konsumenten lieben Räucheraal, Schillerlocke oder Haisteak, doch die wenigsten wissen, dass die Bestände von Europäischem Aal, Dorn- und Heringshai dadurch extrem dezimiert wurden“ betont Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer. „Es wird dringend Zeit, die Notbremse zu ziehen.“
Die EU hat den Ernst der Lage für diverse Speisefische durch die rücksichtslose Überfischung schon früher erkannt – doch lange Zeit geschah nichts. Nun werden erstmals konkrete Gegenmaßnahmen ins Auge gefasst. Während die von Experten empfohlenen maximalen Fangmengen für Kabeljau & Co. seit Jahrzehnten ignoriert werden, will die EU nun zumindest für den Europäischen Aal sowie Dorn- und Heringshai Schutzmaßnahmen in Angriff nehmen:
Der EU-Ministerrat für Landwirtschaft und Fischerei diskutiert heute in Luxemburg einen Aktionsplan für den Europäischen Aal, der u.a. vorsieht, 75% der vor Europas Küsten gefangenen „Glasaale“ wieder auszusetzen. Glasaale, wie der Nachwuchs des Europäischen Aals genannt wird, werden auf ihrer Wanderung von den Laichgebieten im Sargasso-Meer zurück in die europäischen Flüsse rücksichtslos abgefischt. „Allein die EU exportiert jährlich 500 Mio. Glasaale, die Spitzenpreise bis zu 1.000 €/kg erzielen“, betont die Pro Wildlife-Sprecherin. „Diese werden v.a. in China in Aquafarmen gemästet“. Nun will die EU über ihren Aktionsplan hinaus auch erstmals weltweite Handelsbeschränkungen durchsetzen. Die Entscheidung hierzu fällt auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens im Juni 2007.
Auch für Dorn- und Heringshaie hat die EU eine Kontrolle des internationalen Handels beantragt. Der Bestand der Heringshaie wurde im Nordatlantik und Mittelmeer um 90% dezimiert, denn Haisteaks gehören zu dem Begehrtesten, was Fischtheken und -Restaurants anbieten. Um den Dornhai steht es nicht besser: Als „Schillerlocke“ (geräucherte Bauchlappen) oder „Seeaal“ (Rückenstücke) wird er in Deutschland, als „Fish & Chips“ in England in großen Mengen konsumiert. Die Bestände sind in manchen Meeres-Regionen um bis zu 99% kollabiert. Beide Haiarten haben eine niedrige Vermehrungsrate und bringen nur wenige lebend geborene Jungtiere zur Welt. Der massiven Befischung können sie nicht standhalten.
„Bereits früher wurden Störe als erste Speisefische durch das WA geschützt, doch damals ging es noch um ein reines Luxusprodukt, den Kaviar“, erläutert Freyer. „ Nun stehen erstmals Arten zur Diskussion, die an jeder Fischtheke zu finden sind. Und diese brauchen dringend Hilfe, wenn sie eine Überlebenschance haben sollen!“



