Exotenhandel
Mehr Transparenz im Wildtierhandel, Herr Trittin!
15 Arten- und Umweltschutzverbände fordern Erfassung der Importe von Wildtieren und Wildpflanzen
München, den 15. September 2003 – Insgesamt 14 Arten- und Umweltschutzverbände schlossen sich in einem gemeinsamen Schreiben der Forderung von Pro Wildlife an, zukünftig die Importe ungeschützter Wildtiere und –Pflanzen nach Deutschland zu erfassen. Bislang scheitert die Unterschutzstellung von bedrohten Arten häufig am Fehlen dieser konkreten Handelsdaten. Trotzdem sehen die zuständigen Minister Trittin und Eichel, in deren Ressorts der Artenschutz bzw. die Zollbehörden fallen, bisher nur wenig Handelsbedarf. Sie wollen lediglich den Import von Echsen und Schlangen für 12 Monate registrieren. Für die Artenschützer eine halbherzige und willkürliche Maßnahme, da Echsen und Schlangen nur einen kleinen Teil der gehandelten Wildtiere ausmachen. Denn viele ungeschützte Wildvögel, Korallenfische, exotische Säugetiere, Hai- und Tropenholzprodukte werden in Massen importiert – das Ausmaß der Naturplünderungen ist somit kaum zu überblicken.
Mehr Transparenz im Handel mit Wildtieren und –pflanzen fordern deshalb: Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Bund gegen Missbrauch der Tiere, Care for the Wild, Deutscher Naturschutzring (DNR), Eurogroup against Birdcrime, Greenpeace Deutschland, Internationaler Tierschutz-Fond (IFAW), das Jane Goodall Institute, Komitee gegen den Vogelmord, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Pro Regenwald, Pro Wildlife, Rettet den Regenwald, Umweltstiftung WWF und Vier Pfoten.
Das gemeinsame Schreiben an Trittin und Eichel verweist auf das immer breitere Spektrum ungeschützter Arten im deutschen Handel. Deutschland ist einer der größten Absatzmärkte für Wildtiere und –Pflanzen. So werden z.B. in jüngster Zeit zunehmend exotische Säugetiere wie Gürteltiere, diverse Kleinbären, Raub- und Beuteltiere als „Haustiere“ verkauft, Tropenholzprodukte und Arzneien aus Wildpflanzen werden immer beliebter, der Handel mit tropischen Fischen, Vögeln und Fröschen boomt. Immer neue Arten sind von der anhaltenden bzw. gar steigenden Nachfrage in Deutschland betroffen. Die 15 Verbände warnen vor den Folgen dieser massenhaften und nahezu unkontrollierten Wildentnahmen für die Artenvielfalt.
Während Artenschutzmaßnahmen in das Ressort von Umweltminister Trittin fallen, unterstehen die Zollbehörden, die eine Erfassung der Wildimporte durchführen müssten, dem Finanzminister Eichel. Die Forderung der 15 Arten- und Umweltschutzorganisationen richtet sich deshalb an beide Ministerien.
1999 hatte die Bundesregierung schon einmal für sechs Monate die Importdaten für ungeschützte Vögel und Reptilien erfasst und ausgewertet. Schon diese begrenzte Maßnahme führte für einige Arten prompt zu ersten erfolgreichen Schutzinitiativen innerhalb der EU. Die Artenschützer fordern deshalb eine Wiederaufnahme der Erfassung – und zwar nicht nur für willkürlich ausgewählte Artengruppen, sondern auf alle Wildtiere und –Pflanzen. Die Organisationen betonen auch, dass eine generelle Erfassung aller Importe sogar eine Arbeitserleichterung für die Zollbeamten bedeuten würde: Denn ein einheitliches Erfassungsverfahren würde den Arbeitsablauf auch ohne spezielle Artenkenntnisse jedes einzelnen Zollbeamten ermöglichen.
"Während unsere heimischen Arten weitgehend über das Naturschutzgesetz geschützt sind, können viele Wildtiere und -Pflanzen aus fernen Ländern immer noch hemmungslos geplündert werden", betont Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die derzeit anstehende Novellierung der Bundesartenschutzverordnung schafft erneut keine Abhilfe dieses eklatanten Widerspruchs. Deshalb sehen die 15 Verbände zumindest dringenden Handlungsbedarf bei der Importerfassung.



