Wale und Delfine

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Walfang 2006: High-Tech-Barbarei

Meeresriesen leiden oft stundenlang – Walfangkommission braucht Sanktionsmöglichkeiten

München/ St. Kitts, den 15. Juni 2006: Im Vorfeld der morgen in St. Kitts (Karibik) beginnenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) belegen neue Dokumente die enorme Grausamkeit der Jagd:  Walfänger lassen die Meeresriesen oftmals stundenlang leiden, bevor der Tod eintritt. „Statt ihrer Verpflichtung nachzukommen, die Quälerei zu minimieren, wollen die Walfangländer sich der Überwachung ihrer Metzelei immer mehr entziehen“, kritisiert die Pro Wildlife Expertin und Biologin Dr. Sandra Altherr. Pro Wildlife fordert dringend Sanktionsmöglichkeiten für die IWC, um den anhaltenden Verstößen der Walfangländer endlich Einhalt zu gebieten.

Mitgliedsstaaten der IWC sind verpflichtet, die besten verfügbaren Tötungsmethoden einzusetzen und ein Leiden der Meeresriesen zu vermeiden. Doch in der Praxis wird dies ignoriert, Nachbesserungen verweigert. Das diesjährige Treffen einer Arbeitsgruppe zu Tötungsmethoden offenbarte neue Vorfälle extremer Grausamkeit:

Japan verweigert seit Jahren Auskünfte über die Tötungszeiten in seinem sog. „Wissenschaftswalfang“. Wurden bis 2000 ausschließlich Zwergwale (bis 10 m, 5-10 t) gefangen, wurde seitdem die Jagd sukzessive auf immer größere Arten ausgeweitet – im letzten Winter erstmals sogar auf Finnwale, die zweitgrößten Tiere der Erde (bis 22 m, 30-80 t). Nun wurde erstmals eine neue „Superharpune“ mit höherer Sprengkraft für die Finnwaljagd eingesetzt. „Damit bewahrheiten sich zwei unserer Befürchtungen: Erstens reichte die bislang eingesetzte Harpune offenbar nicht aus, um große Arten wie Pott-, Sei- und Buckelwale schnell zu töten. Und zweitens investiert Japan in neue Waffen, um die Jagd auf Großwale weiter auszubauen“, erläutert die Pro Wildlife-Sprecherin. „Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Japan sogar Blauwale ins Visier nimmt!“

Norwegen steht dieses Jahr besonders in der Kritik: Ein Video der englischen Organisation EIA dokumentiert, wie während der letzten Fangsaison 2005 ein harpunierter Zwergwal fast 15 Minuten mit dem Tod rang – und erst nach sieben zusätzlichen Gewehrschüssen starb. Besonders heikel an diesem Vorfall ist, dass auf dem Walfangboot ein neues vollautomatisches Überwachungsgerät eingesetzt wurde. Diese sog. „Blue Box“ soll künftig nach den Plänen der norwegischen Regierung die bislang obligatorischen Inspektoren auf den Booten ersetzen. Die Blue Box zeichnet jedoch lediglich Zeitpunkt und geographische Position beim Abschuss einer Harpune auf. „Das lange Martyrium des angeschossenen Wales wäre mit dem neuen Überwachungssystem unentdeckt geblieben“, betont die Pro Wildlife Sprecherin und fordert: „Norwegens Blue Box darf nicht die Überwachung durch unabhängige Inspektoren ersetzen!“

Auch im Rahmen des sog. Eingeborenenwalfangs in Grönland, Russland und Alaska dauert das Sterben teils über zwei Stunden.

Größte Schwäche der IWC ist die Tatsache, dass sie keinerlei Sanktionsmöglichkeiten gegen Verstöße von Walfangländern hat. „Wir haben der IWC aktuell einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, wie sie die Eigenmächtigkeiten der Walfangländer künftig bestrafen könnte – nämlich mit Sanktionen, wie andere internationale Abkommen sie längst anwenden“, berichtet Altherr. Der morgige Beginn der Jahrestagung wird zeigen, ob solche Schritte überhaupt zu realisieren sind. Denn Japan & Co. hoffen darauf, erstmals seit Jahrzehnten die Mehrheit in der IWC zu erlangen und die Weichen in Richtung ungehindertem Walfang zu stellen.