Exotenhandel

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Massensterben im Wildtierhandel

Pro Wildlife veröffentlicht Studie zu Tierverlusten im Exotenhandel – Konsequenzen von Fluglinien und Gesetzgeber gefordert

München, den 15. Mai 2000 – Die Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife hat eine aktuelle Übersicht über die Mortalitätsraten im Wildtierhandel veröffentlicht. Von den Millionen exotischer Tiere, die jedes Jahr nach Deutschland importiert werden, bleiben unzählige Fische, Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien auf der Strecke – wie auch ein heutiger Artikel im SPIEGEL belegt. Fluglinien stellen das Nadelöhr im internationalen Handel mit exotischen Tieren dar. Deshalb fordert Pro Wildlife den Ausstieg der Fluglinien aus diesem tödlichen Geschäft. Im Rahmen der bevorstehenden Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es nun überfällig, den wildwuchernden Handel mit Wildtieren einzuschränken.

Millionen Wildtiere werden alljährlich nach Deutschland importiert – die meisten von ihnen per Flugzeug. In den letzten Monaten konnte Pro Wildlife immer wieder spektakuläre Todesfälle im Frachtraum renommierter Fluglinien aufdecken. Diese Skandale sind allerdings nur die Spitze des Eisberges, da die wenigsten Fälle überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen. Weitaus mehr Tiere sterben beim Fang und bei den verschiedenen Zwischenstationen in den Herkunfts- und Importländern.

Mit schätzungsweise mehr als 70 Millionen Individuen machen die Zierfische mit Abstand den größten Teil der Wildtierimporte nach Deutschland aus. Hinzu kommen mehrere hunderttausend Ziervögel und Reptilien sowie etliche tausend Säugetiere, Frösche, Skorpione und Spinnen. „Gerade bei preiswerteren Tieren wie Fischen und Reptilien sind Behandlung und Transportbedingungen oft schlecht, die Verlustraten entsprechend hoch“, berichtet Pro Wildlife-Expertin Dr. Sandra Altherr. Die Biologin betont: „Da die meisten dieser Tiere immer noch aus der Wildnis stammen, hat der Handel mit ihnen nicht nur tier-, sondern auch artenschutzrechtliche Relevanz.“

Für Pro Wildlife ist der Dialog mit den Fluglinien jedoch nur einer von vielen Schritten, die notwendig sind, die Plünderung der Natur für den hiesigen Heimtiermarkt zu beenden. So fordern die Tier- und Artenschützer der Bundesregierung auf, die gerade anstehende Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes dafür zu nutzen, um das Vorsorgeprinzip zu verankern und nur den Import von Wildtieren zuzulassen, wenn die Naturentnahmen keine negativen Folgen für die Artenvielfalt hat.„In Deutschland sind heimische Wildtiere durch das Bundesnaturschutzgesetz nahezu vorbildlich geschützt. Doch die Plünderung der Natur in den armen Ländern Asiens, Südamerikas und Afrikas – wo die meisten der exotischen Heimtiere herkommen – wird von der Bundesregierung geduldet. Deutschland ist einer der weltweit größten Verbraucher exotischer Heimtiere,“ kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin.