Exotenhandel
Internationaler Tierschmugglerring auf Kundenfang in deutschen Zoos
Brisante Unterlagen beweisen: Gefährdete Wildtiere werden auch in Deutschland angeboten
München, den 14. August 2000 – Ein internationaler Händlerring mit Firmen in Deutschland, Osteuropa, Süd- und Westafrika sowie Südostasien offeriert Zoos in aller Welt bedrohte und streng geschützte Wildtiere, darunter auch deutschen Tierparks. Der deutsche Drahtzieher wurde nun von der Staatsanwaltschaft Frankfurt angeklagt. Ob Waldelefant, Nashorn, Gepard, Meerkatze oder Paradiesvogel: Nach internen Unterlagen, die Pro Wildlife vorliegen, werden deutschen Zoos, Tierparks und Versuchslabors wildgefangene Tiere von diversen unseriösen Quellen angeboten. Per Post, Fax und Email kursieren Preislisten, die auch streng geschützte Arten anbieten. Die Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer weiß, dass einige Adressaten solcher Angebote der Versuchung nicht widerstehen können: „Die vier Jungelefanten, die im vergangenen Jahr von den Zoos Dresden und Erfurt gekauft wurden, stammen von einem Interpol-gesuchten Tierhändler, der Teil des internationalen Schmugglerrings ist.“ Auch der Vogelpark Walsrode (bei Hannover) importierte seltene Wildvögel als Expo-Attraktion aus Indonesien – offensichtlich ebenfalls über einen Tierhändler, der wegen seiner illegalen Aktivitäten bekannt ist.
Kundenkreis deutsche Zoos: In der Preisliste eines deutschen Tierfängers und -händlers in Guinea-Bissau (Westafrika) finden sich neben Flusspferden, Seekühen, Delfinen, Geparden und Nashörnern sogar hochbedrohte Waldelefanten – Zoos müssen hierfür allerdings tief in die Tasche greifen: Für fast 50.000 DM wechseln Exemplare dieser streng geschützten Art den Besitzer. Ein Händler aus Tansania bietet die bequeme Bestellung von fast 150 Wildtierarten per Email an, darunter Tüpfelhyänen, Hornvögel und Ginsterkatzen. Brisante Unterlagen beweisen, dass Tierparks wiederholt auf solch dubiose Quellen zurückgegriffen haben:
- Der südafrikanische Tierhändler Riccardo Ghiazza, bei dem die Zoodirektoren von Dresden und Erfurt 1999 vier Jungelefanten bestellt haben, wird wegen Drogen- und Tierschmuggel international gesucht. Dennoch sind die beiden Zoos nicht vor dem zweifelhaften Deal zurückgeschreckt.
- Der Vogelpark Walsrode importierte im Vorfeld der EXPO seltene Paradiesvögel an den deutschen Behörden vorbei. Laut vorliegendem Vertrag mit der indonesischen Regierung versuchte der niedersächsische Park, insgesamt an über 100 indonesische Vogelraritäten zu gelangen, darunter z.B. 10 vom Aussterben bedrohte Sturmstörche. Nach Informationen aus Indonesien sollte ein wegen illegalem Tierhandel aktenkundiger Händler die Tiere einfangen, doch der Großteil der zweifelhaften Transaktion scheiterte im letzten Moment.
Der Handel bedrohter Tierarten für Zoos bewegt sich in einer Grauzone: Unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Forschung und Bildung können sie internationale Handelsverbote umgehen. Geschäfte mit Händlern, die in den Tierschmuggel verstrickt sind, rücken das Ganze zusätzlich in ein düsteres Licht. Ohne die Nachfrage aus Zoos in aller Welt könnten diese Händler sich nicht finanzieren. Für die Behörden lässt sich oftmals nicht mehr nachvollziehen, aus welchen dubiosen Quellen ein Tier stammt, das bereits mehrere Hände in verschiedenen Ländern durchlaufen hat. „Erschwert werden Ermittlungen der Interpol durch den ständigen Austausch von Wildtieren zwischen den Tierparks weltweit“, so Pro Wildlife-Expertin Freyer.
Kundenkreis deutsche Versuchslabors: Diese importieren alljährlich mehrere hundert Affen – angebliche Nachzuchten. Doch dies lässt sich nicht immer zuverlässig überprüfen. Biologin Freyer berichtet: „Ein Tierhändler bietet per Rundfax an deutsche Versuchsanstalten „Hepatitis-freie Meerkatzen“ als „erneuerbarer Forschungsressource“ zu günstigen Konditionen an – aus Barbados frisch auf den Versuchstisch.“ Der o.g. tansanische Tierhändler hat ebenfalls geeignete Ware: Vier afrikanische Affenarten (Grüne Meerkatzen, Diadem-Meerkatzen, Gelber Pavian, Grüner Pavian) sind auf seiner Email-Bestellliste – für 400 bis 1.000 DM. Der Händler erbittet außerdem dringend Adressen weiterer Labors, Tierparks und Großhändler in Deutschland.



