Presseinformation: Bilanz der Walfangtagung
IWC: Schluss mit dem Kuschelkurs
Disput über Walschutzgebiet lässt Tagung platzen: Vertagen nach neun Stunden Unterbrechung
St. Helier, Jersey/München, 14. Juli 2011. Nach kuriosen Debatten und einer neunstündigen Unterbrechung ist heute die 63. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zu Ende gegangen. Ein Walschutzgebiet im Südatlantik scheiterte am Boykott der Walfangländer. „Mit dem heutigen Tag wurde der mehrjährige Kuschelkurs mit den Walfängern beendet“, so Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnahm. „Es ist frustrierend, dass über das brennendste Thema – der eigenmächtige Walfang in Japan, Norwegen und Island – kaum gesprochen wurde.“ Die wichtigste Entscheidung der diesjährigen IWC bleibt damit die gestrige Annahme des Transparenz-Papieres, das künftig den Stimmenkauf in der IWC erschweren soll.
Eklat um neues Schutzgebiet im Südatlantik
Im Gegensatz zu den seit Jahren laufenden Bemühungen, alle Diskussionen in der IWC im Konsens zu entscheiden, verlangten Argentinien und Brasilien heute die Abstimmung über ein Schutzgebiet im Südatlantik. „Japan verhinderte dies mit einem Taschenspielertrick: Alle Walfangländer verließen zur Abstimmung den Raum – um dann die Beschlussfähigkeit der IWC anzuzweifeln, für die mindestens die Hälfte aller IWC-Mitgliedsstaaten anwesend sein muss. Es kam zum Eklat: Neun Stunden wurde die Sitzung unterbrochen, hinter verschlossenen Türen das weitere Vorgehen diskutiert und die Entscheidung schließlich auf nächstes Jahr vertagt“, berichtet die Pro Wildlife Sprecherin. Altherr begrüßt dennoch das Vorgehen der Südamerikaner: „Seit 2008 verharrt die IWC in der Konsens-Falle – mit dem Ergebnis, dass fast alle Vorschläge verwässert werden. Wir hoffen, dass künftig wieder mehr Länder den Mumm aufbringen, ihre Anträge zur Abstimmung zu bringen.“
Fortschritt im Kampf gegen den Stimmenkauf
Gestern einigten sich die IWC-Mitgliedsstaaten im Konsens auf ein Maßnahmenpaket für mehr Transparenz und weniger Korruption: So sollen Mitgliedsbeiträge nur noch mit Überweisungen von Regierungskonten gezahlt werden dürfen. „Dass Delegierte dicke Geldbündel zugesteckt bekommen, kann die IWC auch künftig nicht verhindern“, so Altherr. „Dennoch hilft der Vorstoß, den Stimmenkauf in der IWC einzudämmen.“
Kompromissdiskussion zurückgezogen
Die USA und Neuseeland mussten ihren Vorstoß, wieder über die „Zukunft der IWC“ zu reden, mangels Unterstützung zurückziehen. „Zu sehr war den Delegierten noch der brisante Kompromissvorschlag vom letzten Jahr in Erinnerung, der ein Aufweichen des Walfangmoratoriums bedeutet hätte“, freut sich Altherr. Bereits vor Beginn der IWC-Tagung hatte sich Chile aufgrund massiver Kritik aus Lateinamerika als ehemaliger Mit-Antragsteller zurückgezogen. Die Pro Wildlife Expertin bedauert, dass die dringend nötigen Diskussionen um die Umweltgefahren für Wale und die Risiken für Walfleisch-Konsumenten aufgrund der neunstündigen Unterbrechung heute kaum/nicht mehr zur Sprache kamen: „Wal- und Delfinfleisch ist oft so stark mit Giftstoffen belastet, dass die Nachfrage immer mehr zurückgeht. Nicht umsonst lagern in Japans Kühlhäusern 6.000 Tonnen Walfleisch. Dieses Problem könnte den Walfang letztlich beenden.“
Herausstechende Länder
„Als Resümee der diesjährigen IWC sind allem die Länder aus Lateinamerika, England, Deutschland, Frankreich und Belgien zu loben. Sie haben hier mit viel Engagement für den Walschutz gekämpft“, berichtet Altherr. Neben St. Kitts & Nevis und Russland gehörte Island zu den aggressivsten Delegationen auf der diesjährigen IWC-Tagung. „Nachfragen nach Details aus seinem Walfang wies Island brüsk zurück. Sein Auftritt hier ist wohl das letzte Aufbäumen einer Walfängerlobby, bevor die EU und ein fehlender Absatzmarkt für Walfleisch den isländischen Walfang ein für allemal beenden“, so die Pro Wildlife Sprecherin abschließend.



