Exotenhandel
Exoten zu Schleuderpreisen im Internet
Wildtiere aus aller Welt werden online verramscht - Pro Wildlife fordert EU-Importverbot für Wildfänge
München, den 13. Juli 1999 - Reptilien und Vögel aus aller Welt sind zu Niedrigstpreisen im Internet zu haben. Eine Recherche von Pro Wildlife ergab, dass ein holländischer Händler z.B. vietnamesische Geckos schon ab 40 Pfennig anbietet. Aufgrund des freien Handels innerhalb der EU landet ein großer Teil der Tiere in deutschen Terrarien, Käfigen und Aquarien. Pro Wildlife protestiert bei der EU-Kommission in Brüssel: "Ein solcher Ausverkauf von Wildtieren ist nicht akzeptabel." Die Artenschützer fordern deshalb ein EU-weites Importverbot für Wildfänge.
Ein holländischer Großhändler bietet online wildgefangene Tiere zu Preisen an, die kaum noch zu unterbieten sind. Ob Frösche aus Vietnam und Nigeria, Geckos aus Indonesien oder Prachtfinken aus Tansania - diese Tiere werden als Massenware zu Preisen von 0,40 bis 2 DM verschachert. "Solche Dumpingpreise sind nur möglich, wenn die lebende Ware in Massen gefangen und verkauft wird", so Pro Wildlife-Expertin Dr. Sandra Altherr. Der Händler aus den Niederlanden ist nur die Spitze des Eisbergs: Auch in Deutschland bieten Händler per Internet Tiere an, die auf Wunsch im wattierten Briefumschlag quer durch die Republik versandt werden.
Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz belegt, dass die Transport- Sterblichkeit von exotischen Tieren hoch ist. Viele Tiere sterben an den Folgen der brutalen Fangmethoden bzw. während der oft tagelangen Transporte noch im Herkunftsland. Weitere Verluste sind während des Fluges sowie beim Importeur zu verzeichnen. So beträgt die Sterblichkeit bei den massenhaft eingeführten und billig angebotenen Sperlingsvögel fast 40 Prozent. Viele Reptilien, Frösche und Vögel, die den qualvollen Transport überlebt haben, gelangen anschließend in die Hände unerfahrener Halter, wo sie durch drastische Haltungsfehler nach kurzer Zeit verenden.
Das Verramschen per Internet macht auch vor schwierig zu haltenden Tieren wie Chamäleons nicht halt: Schon ab umgerechnet 15 DM wechseln die bizarren Reptilien den Besitzer. Auch international geschützte und seltene Arten wie der Timor-Waran oder der Buntpython sind online abrufbar.
Immer neue Tierarten werden durch den Handel für den Heimtiermarkt bedroht. "Bis gewährleistet ist, dass das massenhafte Einfangen von Wildtieren das Überleben ihrer Art nicht gefährdet und die Transportsterblichkeit auf ein Minimum reduziert ist, fordern wir ein EU-Importverbot für Wildfänge", so abschließend Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Manche EU-Länder haben bereits entsprechende nationale Gesetze verabschiedet, doch nur ein einheitliches EU-weites Gesetz kann hier Abhilfe schaffen.



