Elefanten
Deutschland und EU schlagen faulen Kompromiss im Elfenbeinhandel vor
Räumungsverkauf der Elfenbeinlager im südlichen Afrika?
Den Haag/München, den 13. Juni 2007. Auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA, engl. CITES) hält Deutschland als Verhandlungsführer der EU an einem unverantwortlichen Vorschlag fest, bis zu weiteren 140 Tonnen Elfenbein aus Simbabwe, Namibia, Südafrika und Botswana für den Verkauf nach Asien frei-zugeben. „Das ist Verrat an den Ländern in Zentral- und Ostafrika, die versuchen, ihre Elefanten vor Wilderern zu schützen“ kritisiert Pro Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer. „Derzeit töten Wilderer über 20.000 Elefanten jährlich“. Als Trostpflaster soll die große Mehrheit der Elefantenschutzländer damit abgespeist werden, dass auf den nächsten zwei WA-Konferenzen kein weiterer Elfenbeinhandel freigegeben wird. Morgen soll über den Vorschlag abgestimmt werden – derzeit berät eine Ministerrunde über das Schicksal der Elefanten. Pro Wildlife fordert von Deutschland und der EU, den Vorschlag zurückzuziehen und sich für einen konsequenten Elefantenschutz einzusetzen.
Dem Vorstoß Deutschlands und der EU gingen 10 Tage hitziger Debatten über zwei kon-troverse Positionen voraus: Botswana und Namibia hatten ursprünglich den Verkauf von 40 Tonnen Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen Botswanas plus jährliche Quoten für vier Länder gefordert. Kenia und Mali dagegen wollten ein 20jähriges Moratorium für Elfenbeinhandel. Deutschland, als derzeitiger EU-Ratspräsident, versuchte zwischen diesen unvereinbaren Positionen zu vermitteln. Doch dieser Versuch misslang gründlich: Laut Antrag der EU könnten Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika schon bald 140 Tonnen Elfenbein verkaufen. Die Pro Wildlife-Expertin ist entsetzt über diesen Vorschlag: „Das ist wesentlich mehr, als die vier Länder in ihren Lagerhallen haben. Wo-her soll das restliche Elfenbein kommen? Der EU Vorstoß ist unverantwortlich und für die Elefantenschutzländer schlicht inakzeptabel“.
Im Gegenzug sollen die vier Staaten auf den kommenden zwei WA-Konferenzen keine weitere Elfenbeinfreigabe erhalten. „Der Vorschlag macht eine Farce aus dem von Kenia und Mali beantragten Moratorium. Der Verkauf der riesigen Mengen Elfenbein heizt den Elfenbeinmarkt weiter an und kann sich über Jahre hinziehen – wo bleibt da die verspro-chene Ruhepause für Elefanten?“ so die Pro Wildlife-Sprecherin. Für die über 20 afrikanischen Länder, die Elefanten besser schützen wollen, ist der Vorschlag Deutsch-lands und der EU eine schallende Ohrfeige: „Nur vier Länder im südlichen Afrika profitie-ren vom Elfenbeinverkauf, und gerade die ärmsten Länder in West-, Zentral- und Ostafri-ka sind derzeit verstärkt mit Elefantenwilderei konfrontiert“, so Freyer.
Pro Wildlife kann die Kehrtwende Deutschlands nicht nachvollziehen: Nachdem der Ständige Ausschuss des WA bereits einen Tag vor dem offiziellen Konferenzbeginn den bereits 2002 in Aussicht gestellten Verkauf von 60 Tonnen Elfenbein freigegeben hatte, versprach Jochen Flasbarth, deutscher Delegationsleiter, Deutschland und die EU wür-den keinen weiteren Elfenbeinverkäufen mehr zustimmen. Am Montag kündigte Flasbarth dann an, man könne sich einen Kompromiss von 50 Tonnen Elfenbein vorstellen. „Nur einen Tag später schlägt die EU 140 Tonnen vor – weit mehr als die Elfenbeinländer je verlangt haben. Das ist kein Kompromiss, das ist ein Desaster!“, kritisiert Freyer.
Insgesamt könnten 200t Elfenbein nach Asien verkauft werden, falls der EU-Vorstoß morgen angenommen wird. Dies entspricht den Stoßzähnen von über 32.000 Elefanten. Die Freigabe wäre ein fatales Signal an die Absatzmärkte in Asien, wo die Nachfrage nach Elfenbein stetig steigt. „Der legale Elfenbeinhandel öffnet dem Schmuggel Tür und Tor. Deutschland und die EU zeigen sich hier unverantwortlich“, so die Pro Wildlife-Sprecherin abschließend.



