Presseinformation: Walfangtagung / Dänemark
Walschutz: Etwas ist faul im Staate Dänemark
IWC-Tagung 2011: Dänische Delegation ignoriert EU-Recht und torpediert Walschutzmaßnahmen
St. Helier, Jersey/München, 12. Juli 2011. Auf der aktuellen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zeigt sich Dänemark als Problemfall. „Die dänische Delegation sorgt für großen Ärger in der EU: Ob es um Stärkung der Transparenz geht, Kritik an Island oder um die Beteiligung von Umweltverbänden – Dänemark blockiert jeden Vorstoß in Richtung Walschutz und behindert die EU“, berichtet Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Mit einem heutigen Treffen ausgewählter Länder bereitet Dänemark sogar den Ausbau der Jagd auf Buckelwale vor. Das nordeuropäische Land selbst ist an das EU-Recht gebunden, unter dem Wale und Delfine den strengst-möglichen Schutz genießen – doch auf der IWC vertritt das Land fast ausschließlich die Interessen seiner semi-autonomen Regionen Färöer-Inseln und Grönland.
Minderheit dominiert Dänemarks Politik
In Dänemark selbst leben 5,5 Millionen Menschen, auf Grönland dagegen nur 56.000 Einwohner, auf den Färöer-Inseln sogar nur 48.400 Menschen. 97 Prozent der dänischen Festlandbevölkerung lehnen die Waljagd ab, doch davon ist beim Verhalten der dänischen Position bei der IWC nichts zu spüren: „Wer die dänischen Statements hier auf der IWC hört, könnte meinen, in Dänemark gäbe es nur Walfänger“, so Altherr. Das sorgt auch für Ärger im Parlament, wo die Regierung wegen ihrer Blockadepolitik im Walschutz derzeit unter Beschuss steht. „Im Herbst stehen Neuwahlen in Dänemark an – erst dann gibt es eine Chance, dass sich die Walschutzposition wieder ändert.“
Buckelwale als begehrte Beute
Im vergangenen Jahr tauschte Dänemark in einem stark kritisierten Prozess einen Teil seiner Finnwalquote im Subsistenzwalfang Grönlands gegen Buckelwale ein, da das Fleisch der Buckelwale als schmackhafter gilt. „Dieses Tauschgeschäft ist aus Artenschutzsicht nicht zu rechtfertigen – hier geht es um bedrohte Arten und nicht um einen Wunschbasar“, kritisiert die Pro Wildlife Expertin. In diesem Jahr nutzt die dänische Delegation die IWC, um heute zu einem Treffen der Anrainerstaaten für Buckelwale einzuladen – andere Länder und Umweltverbände müssen draußen bleiben. „Dänemark will ganz offensichtlich die Weichen stellen, um auf der nächsten IWC-Tagung eine noch höhere Buckelwalquote durchzuboxen. Angestrebt sind statt der aktuellen neun Tiere künftig bis zu 20 der Meeressäuger“, so Altherr.
Dänemark bekämpft Initiativen zum Walschutz
Im Vorfeld der IWC-Tagung bat England die EU, seinen Antrag auf eine Reform der IWC als gemeinsame EU-Initiative einzubringen. Der Vorstoß hat unter anderem das Ziel, den Stimmenkauf in der IWC zu beenden, für mehr Transparenz zu sorgen und Umweltverbände stärker einzubeziehen – alles Rahmenbedingungen, wie sie in anderen Konventionen längst gängige Praxis sind. Doch Dänemark verhinderte, dass die EU den Antrag gemeinsam bei der IWC einreichte. So blieb es zunächst ein Papier Englands – und sendete das Signal an die Welt, dass die EU in Sachen Walschutz uneins ist“, kritisiert die Pro Wildlife Sprecherin. „Erst nachdem gestern das Mitspracherecht für Umweltverbände aus dem Papier gestrichen wurde, willigte Dänemark ein, so dass der Ruf nach Reformen erst in letzter Minute eine EU-Initiative wurde.“
Kein Einzelfall: Im März fragten die USA bei der EU an, eine Demarche gegen Islands kommerziellen Walfang zu unterstützen. Diese Demarche wurde von lateinamerikanischen Ländern, Australien, Neuseeland, Monaco und den USA unterstützt. Auch hier war Dänemark – wie aus internen EU-Protokollen hervorgeht – von Anbeginn ein großer Gegner und verhinderte erfolgreich, dass die EU sich der Demarche anschloss.
Dänemark ignoriert die Zivilgesellschaft
Dänemark lehnt eine Beteiligung von Umweltverbänden an den IWC-Verhandlungen strikt ab – mit der Begründung, diese könnten keine wertvollen Diskussionsbeiträge leisten. „Es ist ein Skandal, dass sich Dänemark als modernes Land gegen jegliche Beteiligung der Zivilgesellschaft ausspricht. Andererseits ignoriert die Delegation hier ja auch konsequent die Position der Bevölkerung zuhause“, betont die Pro Wildlife Sprecherin.



