Exotenhandel

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EU soll Wildvogelimporte stoppen

Über 200 Verbände fordern Verbot – EU verantwortlich für 86 Prozent des Handels

München, den 10. Dezember 2004: 223 Tier- und Naturschutzverbände aus aller Welt haben die Europäische Union (EU) heute in einer gemeinsamen Deklaration aufgefordert, die Einfuhr wildgefangener Vögel zu beenden. "Es ist höchste Zeit, dass die EU dem Beispiel anderer Industriestaaten folgt. Während z.B. die USA, Kanada und Australien solche Importe längst verbieten, lässt die EU Vogelbestände in Entwicklungsländern rücksichtslos plündern", so Daniela Freyer von Pro Wildlife. Die EU ist mit Abstand der größte Abnehmer von "Ziervögeln" und importiert pro Jahr mehr als 1 Million Tiere. Der Handel ist nicht nur verantwortlich für die Gefährdung vieler Arten und das sinnlose Leiden unzähliger Individuen, sondern birgt auch erhebliche Gesundheitsgefahren: So könnte z.B. die in Asien grassierende und auch für Menschen tödliche Vogelgrippe durch Wildvögelimporte eingeschleppt werden.

Wegen der größten Vogelgrippe-Epidemie aller Zeiten gilt in der EU derzeit noch ein Importverbot für Vögel aus einigen asiatischen Ländern – allerdings endet dies offiziell am 15. Dezember. Tier- und Naturschutzverbände aus aller Welt haben die Regierungen der 25 EU Staaten sowie die EU-Kommission jetzt dringend aufgefordert, das Verbot auf alle Vogelimporte auszudehnen. Dass der internationale Tierhandel eine ernstzunehmende Rolle bei der Verbreitung ansteckender Krankheiten spielt, verdeutlichte die illegale Einfuhr von zwei Adlern aus Thailand nach Brüssel vor einigen Wochen: Die Tiere waren mit einer Variante des Vogelgrippevirus infiziert, die auch für 70% der infizierten Menschen tödlich ist. 32 Menschen sind in Asien dieses Jahr daran gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte bereits, dass die asiatische Vogelgrippe eine weltweite Epidemie auslösen könnte. "Wir dürfen das Gesundheitsrisiko, das von Vogelkrankheiten wie der Vogelgrippe ausgeht und die damit verbundenen Kosten nicht länger ignorieren", so Jamie Gilardi vom World Parrot Trust, Mitinitiator der Kampagne für ein Wildvogel-Importverbot. Auch in der deutschen, holländischen und belgischen Geflügelindustrie grassierte 2002 ein Vogelgrippe-Erreger, 30 Millionen Tiere wurden damals getötet. Die z.B. von Papageien übertragene Newcastle Krankheit kann in der europäischen Geflügelindustrie ebenfalls für erheblichen wirtschaftlichen Schaden sorgen.

Die meisten nach Europa importierten Vögel kommen aus Asien, gefolgt von Afrika. Der Öffentlichkeit ist wenig bekannt, dass ein Großteil der hierzulande in Zoogeschäften angebotenen Tiere nach wie vor aus freier Wildbahn stammen: Denn während die "Europäische Vogelschutzrichtlinie" den Fang heimischer Vogelarten verbietet, ist der Plünderung der exotischen Vogelfauna in Entwicklungsländern für europäische Käfige kaum eine Grenze gesetzt: Die EU genehmigte alleine zwischen 1996 und 2002 die Einfuhr von mehr als 6 Millionen geschützter Vögel*, 86% des weltweiten Handels. Hinzu kommen noch Hunderttausende ungeschützte Singvögel, die keinerlei Schutzbestimmungen unterliegen. Allerdings kommt nur ein Bruchteil der gefangenen Vögel lebend in Europa an: Der Großteil stirbt bereits beim Fang mit Netzen und Leimruten, bei Zwischenhändlern und Exporteuren im Ursprungsland, bei tagelangen Transporten in überfüllten Kisten oder in Quarantänestationen.

Der Handel stellt für viele exotische Vogelarten eine erhebliche Bedrohung dar, doch die Schutzbestimmungen der EU reichen bei weitem nicht aus: Zahlreiche Arten sind gar nicht geschützt, andere nicht effektiv genug. Die USA haben bereits vor 12 Jahren den Handel mit Wildvögeln gestoppt und damit schätzungsweise 8,5 Millionen Tiere gerettet. Auch in der EU gab es mehrfach Ansätze, den verlustreichen Handel zu unterbinden: Das EU-Parlament forderte bereits 1991 ein Importstopp. In Schweden sind Einfuhr und Haltung wildgefangener Vögel verboten. Auch Holland verabschiedete vor einigen Jahren ein Einfuhrverbot, das allerdings bis heute nicht in Kraft ist. "Die EU muss dringend ein einheitliches Einfuhr- und Handelsverbot für Wildvögel schaffen – Deutschland als eines der größten Abnehmerländer sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen", so die Pro Wildlife Sprecherin abschließend.

*Bezieht sich nur auf Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt sind (z.B. alle Papageien). Nur die Einfuhr dieser Arten wird in der EU erfasst.