Presseinformation: Meeresschutz

Haie - die gejagten Jäger

Produkte aus Hai auch in Deutschland erhältlich – Immer mehr Arten stehen vor der Ausrottung

München, 9. April 2008. Anlässlich des morgigen Kinostarts von „Sharkwater“, einem Dokumentarfilm über Haie, fordert die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife, auf Haiprodukte zu verzichten. „Verbraucher wissen oft gar nicht, dass sie Haiprodukte kaufen – und sie somit dazu beitragen, Haie auszurotten. Nicht nur die chinesische Haifischflossensuppe macht den Tieren den Garaus, sondern auch die Angebote deutscher Fischtheken, Apotheken und Drogeriemärkte“ sagt Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Auf den ersten Blick sind Haiprodukte oft nicht als solche zu erkennen. Die Artenschutzorganisation zeigt die gängigsten Produkte in Deutschland auf.

Ob Flossen, Knorpel, Fleisch oder die Haut – fast alle Körperteile der bedrohten Meerestiere sind auf dem internationalen Markt begehrt. Der „Rohstoff Hai“ wird zu Delikatessen, Antifaltencremes, Taschen oder Wunderheilmitteln weiterverarbeitet. Hierfür werden jährlich bis zu 200 Millionen Haie gejagt und getötet.

Tatort Fischtheke

Dass für Haifischflossensuppe Haie geschlachtet werden, erschließt sich leicht. Doch dass sich hinter „Schillerlocke“ oder „Seeaal“ Dornhai verbirgt, ist ebenso unbekannt wie die Tatsache, dass „Seestör“ oder „Kalbsfisch“ die Marktbezeichnungen für Heringshai sind. Die Bestände beider Arten sind in europäischen Gewässern um bis zu 95 Prozent zurückgegangen.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Pulver aus Haiknorpeln soll angeblich Schuppenflechte, Arthritis und Darmentzündungen mildern und wird sogar als Wunderwaffe gegen Krebs gepriesen. Einige Hersteller solcher Wundermittel wurden bereits wegen unlauterem Wettbewerb und Falschaussagen verurteilt, doch das Geschäft boomt. Auch viele Antifaltencremes enthalten Kollagen, das aus Haien gewonnen wird. Das Öl aus der Haileber findet sich in Vitaminkapseln, Selbstbräunern und Haarfärbemitteln.

Auch die Modeindustrie ist „auf den Hai gekommen“. Hinter dem Begriff „Boroso-Leder“ verbirgt sich die ursprünglich raue Haut von Haien, die geglättet und poliert wurde. Boroso-Leder wird für hochwertige Uhr-Armbänder, Gürtel, Taschen und sogar für Schuhe verwendet.

Über hundert Haiarten sind bedroht

Haie durchstreifen die Ozeane seit mehr als 400 Millionen Jahren, sie haben die Dinosaurier kommen und gehen sehen. Doch nun wird es für die lebenden Fossile selbst eng: Ein Viertel der über 400 Haiarten ist inzwischen auf der Internationalen Roten Liste bedrohter Arten aufgeführt – Tendenz stark steigend.

Haie werden bis zu 46 Jahre alt, vermehren sich aber nicht stark: Manche Arten bekommen nur alle zwei Jahre ein bis zwei Junge. Deshalb können die Bestände der intensiven Jagd nicht standhalten.

„Es ist wichtig, dass die internationale Hai-Mafia, die den asiatischen Flossenmarkt beliefert, angegangen wird. Aber genauso wichtig ist es, dass hiesige Verbraucher die Finger von Haiprodukten lassen“, sagt die Pro Wildlife Sprecherin. Sie appelliert auch an die Europäische Union, endlich den Fang von bedrohten Haiarten wie Dorn- und Heringshai zu stoppen.