Exotenhandel

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Tote Giraffe an Bord

Erneut skandalöser Wildtiertransport für europäische Zoos aufgedeckt

München, den 8. November 2000 – Fünfundzwanzig wildgefangene Giraffen und drei Breitmaulnashörner befinden sich seit mehr als 40 Tagen auf einer qualvollen Odyssee per Schiff zwischen Südafrika und Europa.  Nach Angaben der Münchner Organisation Pro Wildlife wurden die Tiere im Hafen von Valencia, Spanien, aus seuchenrechtlichen Gründen abgewiesen und sind inzwischen wieder auf dem Weg nach Südafrika. „Die Bedenken der spanischen Behörden wegen Maul- und Klauenseuche waren schon vor Beginn der Schiffsreise bekannt gewesen. Trotzdem schickte das südafrikanische Tierhandelsunternehmen Global Wildlife Logistics die Wildtiere auf ihre ungewisse Reise – auf Bestellung europäischer Zoos und Safariparks“, berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife. Mindestens zwei der Giraffen sind inzwischen gestorben, nun befürchten die Tierschützer weitere Verluste.

„Wildtiere werden auf die Reise geschickt, obwohl die Einreisebedingungen im Zielland nicht erfüllt sind. Um Nachschub aus freier Wildbahn zu bekommen, schrecken einige Zoos nicht davor zurück, bei dubiosen Tierhändlern zu ordern. Sie nehmen dabei in Kauf, dass die Tiere oft wochenlang unterwegs sind oder gar auf der Strecke bleiben“, so der Vorwurf von Pro Wildlife- Expertin Freyer.

Nach Fang, Zwischenlagerung und mehrwöchiger Quarantäne setzte sich das Martyrium der 28 Wildtiere Ende September im Hafen von Durban (Südafrika) fort. Bereits seit einer Woche vor Ablegen des Schiffes sind die Giraffen paarweise in Container eingepfercht, die sie seitdem nicht verlassen durften. Die Enge der Einzeltransportboxen der Nashörner lässt keinerlei Bewegung zu. Das Schiff legte in Südafrika ab, obwohl seitens der spanischen Behörden aus tierseuchenrechtlichen Gründen keine Einreisegenehmigung für die Tiere vorlag. Nicht ohne Grund, denn in Südafrika grassiert derzeit eine Maul- und Klauenseuche-Epidemie. Trotzdem wollte das südafrikanische Tierhandelsunternehmen Global Wildlife Logistics nicht auf sein gewinnbringendes Geschäft verzichten.

Die Schiffsreise nach Valencia (Spanien) – mit Zwischenstopp in Dakar (Senegal) - dauerte mehrere Wochen. Nachdem die spanischen Behörden damit gedroht hatten, die Tiere bei Anlandung zu töten und die Futtervorräte an Bord zu Ende waren, musste der Kapitän auf die Mittelmeerinsel Malta ausweichen. Dort wurden die Tiere auf ein anderes Schiff umgeladen und befinden sich derzeit über den Suezkanal auf dem Rückweg nach Südafrika. Inzwischen sind mindestens zwei Giraffen dieser Irrfahrt zum Opfer gefallen.

„Dieser skandalöse Zwischenfall zeigt wieder einmal die äußerste Brutalität des Geschäfts mit lebenden Wildtieren“, kritisiert Daniela Freyer. „Sowohl die Transporteure – Reedereien und Fluggesellschaften – als auch die Zoos als Abnehmer sind verantwortlich für die regelmäßig auftretenden Verluste im Wildtierhandel.“ Pro Wildlife hatte in den vergangenen Monaten immer wieder frappante Vorfälle beim Transport von Wildtieren aufgedeckt.

Geradezu zynisch mutet ein Spendenaufruf an, den Global Wildlife Logistics mittlerweile gestartet hat: Das Tierhandelsunternehmen benötige 2 Mio. Rand (ca. 625.000 DM) „um zu gewährleisten, dass die Tiere sicher und ohne weitere Verluste an ihren Ausgangspunkt zurückkommen.“