Presseinformation: Exotenhandel

Der Bock als Gärtner

Veranstalter von neuer Reptilienbörse ist wegen Reptilienschmuggel vorbestraft

Gütersloh/München, 8. April 2008. In Rheda-Wiedenbrück soll am kommenden Samstag eine neue Reptilienbörse stattfinden. Der Veranstalter saß wegen Reptilienschmuggels bereits im Ausland im Gefängnis. Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife hält es für untragbar, dass diese Börse genehmigt wurde. „Wir haben das zuständige Veterinäramt rechtzeitig über die kriminelle Vorgeschichte des Veranstalters informiert. Doch die Behörde handelt verantwortungslos und geht rechtlich auf dünnem Eis“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Nach dem deutschen Tierschutzgesetz dürfen nur Personen Tierbörsen durchführen, wenn sie „die erforderliche Zuverlässigkeit“ haben. „Diese ist wohl kaum gegeben, wenn der Veranstalter in großem Umfang geschützte Reptilien nach Deutschland schmuggeln wollte und deshalb in Australien im Gefängnis saß“, so die Biologin.

Der Veranstalter Lutz Obelgönner aus Bielefeld wurde im April 2000 im australischen Perth rechtskräftig verurteilt, weil er über 80 streng geschützten Riesenschlangen, Warane, Skinke und Geckos gefangen hatte und zu schmuggeln versucht hatte. Die Haftstrafe wurde aufgrund seines Geständnisses von zunächst dreieinhalb auf zweieinhalb Jahre Gefängnis verkürzt.

Pro Wildlife erfuhr von den Börsenplänen in Rheda-Wiedenbrück bereits vor Monaten und informierte das zuständige Veterinäramt in Gütersloh. Trotz der Vorgeschichte des Veranstalters genehmigte die Behörde den Börsentermin. Der Amtstierarzt argumentierte im Gespräch mit Pro Wildlife, der Schmuggel hätte in Australien „und nicht bei uns“ stattgefunden und jeder könne „mal eine Dummheit machen“. „Mit dieser Rechtsauffassung könnten auch Steuerhinterzieher, die ihre Millionen nach Liechtenstein geschafft haben, hier als Steuerfahnder arbeiten“, sagt Altherr. „Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.“

Der Handel mit Exoten ist ein skrupelloses Millionengeschäft: Fast eine Million Reptilien, Amphibien, Skorpione und Spinnen wird jährlich allein über den Frankfurter Flughafen importiert. Mit den anderen Flughäfen und den Straßentransporten ist die Gesamtzahl noch wesentlich höher. „Es geht um viel Geld, und da bleiben Moral und Tierschutz auf der Strecke“, so Altherr. Pro Wildlife hat den Landrat in Gütersloh eingeschaltet und ihn aufgefordert, die Börse abzusagen.