Urwaldschutz

in

Kahlschlag im Kongo

Weltbank fördert gigantische Urwaldzerstörung – Deutsche Entwicklungshilfegelder unterstützen Raubbau

München, den 8. März 2004 – Der größte Waldbestand Afrikas ist in Gefahr. Die neue Übergangsregierung in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) will mit Hilfe der Weltbank bis Oktober 2004 die gesamten Waldflächen des Landes in Nutzungskategorien einteilen. Dies wäre der Startschuss für einen massiven und fatalen Holzeinschlag von anvisierten sechs bis zehn Millionen Kubikmeter Tropenholz pro Jahr. „Die Zerstörung dieser Urwälder wäre ein ökologisches Desaster. Eine so weitreichende Abholzung in den wichtigsten Tropenwaldgebieten Afrikas hätte schlimme Folgen für Schimpansen, Gorillas, Waldelefanten und andere bedrohte Arten“, befürchtet Dr. Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. „Bonobos, auch Zwergschimpansen genannt, kommen z.B. nur in der DRC vor.“ Die Münchner Artenschutzorganisation fordert die Bundesregierung als einen der Geldgeber der DRC auf, auf eine Korrektur der Abholzungspläne hinzuwirken.

Die Demokratische Republik Kongo beherbergt mit 1,3 Millionen km² mehr als die Hälfte der verbliebenen tropischen Wälder Afrikas und ist nach Brasilien und Indonesien das Land mit den größten Waldbeständen weltweit. Die Waldflächen der DRC blieben bisher wegen der Bürgerkriegssituation von großflächigem, kommerziellem Holzeinschlag weitgehend verschont, viele internationale Firmen ließen ihre Konzessionen ruhen. Doch nun einigten sich Weltbank und Interimsregierung auf eine massive Ausdehnung der Holzwirtschaft. Bis Oktober 2004 sollen alle Waldflächen der DRC in Nutzungskategorien eingeteilt werden. Eine Fläche von 60 Millionen ha Regenwald, größer als die Fläche Frankreichs, wird nach Angaben der Weltbank als nutzbar eingestuft.

„Sollten diese Pläne wahr werden, käme dies einem Kahlschlag in wichtigen Rückzugsgebieten für zahlreiche bedrohte Wildtiere gleich“, betont die Pro Wildlife-Sprecherin. Durch den Holzeinschlag werden selbst abgelegenere Waldgebiete zugänglich gemacht, Wilderer können so in die letzten intakten Lebensräume von Gorillas, Bonobos & Co. eindringen. Die Jagd auf Wildtiere ist neben der Lebensraumzerstörung die größte Gefahr für die Artenvielfalt in Zentralafrika.

Der Handel mit Tropenholz aus Afrika boomt. Besonders begehrt sind die hochwertigen Holzarten (z.B. Iroko, Sapelli, Sipo), die u.a. zu Gartenmöbeln, Fensterrahmen oder Furnierhölzern verarbeitet werden. Kein Wunder also, dass Holzeinschlag nach Plänen der Weltbank dem Land nun zum wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen soll. „Das unglaubliche Tempo, mit dem die Nutzungspläne für die Wälder vorangepeitscht werden, ignoriert alle ökologischen Folgen,“ bemerkt die Pro Wildlife Sprecherin. Bereits existierende illegale Holzeinschläge erhalten nach Befürchtung von Pro Wildlife durch den geplanten Kahlschlag weiteren Auftrieb. Zudem wurden die Volksstämme, die die Wälder bislang bewohnen, bei den Nutzungsplänen offenbar nicht miteinbezogen.

Deutschland gehört zu den Geldgeberländern für die Wirtschaftsförderung in der Demokratischen Republik Kongo. „Vor wenigen Jahren machten Entwicklungshilfeprojekte in Kamerun Schlagzeilen, bei denen mit deutschen Steuergeldern unterstützte Straßenbauprojekte ökologisch hochsensible Gebiete durchzogen. Nun könnte die Bundesregierung erneut eine Entwicklung fördern, die eine massive Urwaldvernichtung bedeutet“, kritisiert Altherr. Pro Wildlife fordert deshalb Bundesministerin Wieczorek-Zeul auf, sich für eine Kurskorrektur in der DRC einzusetzen. Deutschland gehört neben Portugal und Frankreich zu den Hauptimporteuren für afrikanische Tropenhölzer.