Urwaldschutz

Tropenholz Cedro bleibt ungeschützt

Internationale Handelsbeschränkungen für 12 bedrohte Baumarten aus Lateinamerika wurden abgelehnt

Den Haag/München, den 7. Juni 2007: Auf der heutigen Sitzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA, engl. CITES) scheiterten heute alle drei Anträge der EU, insgesamt 12 mittel- und südamerikanischen Baumarten weltweit unter Schutz zu stellen. „CITES hat heute eine Chance vertan, gegen die Vernichtung der Regenwälder in Lateinamerika vorzugehen“, bedauert Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der WA-Konferenz (Den Haag, Niederlande, bis zum 15. Juni) teilnimmt. Die Herkunftsländer in Lateinamerika verweigerten ihre Unterstützung für eine Listung der insgesamt 12 Arten in WA-Anhang II. Angesichts des massiven Widerstandes der Herkunftsländer sah sich die EU gezwungen, alle drei Tropenholzanträge zurückzuziehen.

Von den neun Arten Cedro (Cedrela spp.) besitzt die „Spanische Zeder„ (Cedrela odorata) die größte Handelsrelevanz: „Seit Mahagoni 2002 international unter Schutz gestellt wurde, ist der Handel zunehmend auf das sehr ähnliche Cedro ausgewichen“, berichtet die Pro Wildlife-Sprecherin. „Die Bestände in Kolumbien, Ekuador und Peru sind bereits stark bedroht.“ Das rotbraune Cedro-Holz gilt als witterungs- und pilzresistent und ist nach Mahagoni das derzeit teuerste Holz im Handel.

Die mittel- und südamerikanischen Länder ließen heute den Antrag der EU scheitern, erstmals weltweite Handelsbeschränkungen für Cedro zu verabschieden. Einer der Gründe hierfür war rein politischer Natur: „Die Lateinamerikanischen Staaten sahen den Vorstoß der EU als Einmischung in ihre ureigenen Angelegenheiten an. Dabei hat die EU mit ihrem Schutzantrag nur umgesetzt, was der Pflanzenausschuss des WA dringend empfohlen hatte“, betont Altherr. Mit der heutigen Entscheidung bleibt der internationale Handel mit Cedro auch weiterhin völlig unkontrolliert, das Handelsvolumen wird nicht einmal erfasst, geschweige denn reguliert.

Auch für zwei weitere Anträge zur Unterschutzstellung lateinamerikanischer Baumarten gab es heute nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Stattdessen wollen einige Herkunftsländer die Bestände von Cocobolo (Dalbergia retusa und D. granadillo) und Honduras-Palisander national unter Schutz stellen. „Dies ist zwar besser als nichts, aber die Länder können diese nationale Maßnahme jederzeit wieder aufheben, ohne dass das WA hier ein Wörtchen mitzureden hätte“, so die PRO WILDLIFE-Sprecherin. Honduras-Palisander wird u.a. für den Bau von Geigen und Gitarren, das dunkelorangene Cocobolo zur Herstellung von Ziergegenständen wie Holzkugelschreibern verwendet.

Pro Wildlife kritisiert die heutigen Entscheidungen  als kurzsichtig und unverantwortlich: „Während die Kettensägen sich weiter durch die verbliebenen Regenwälder fressen, lehnen die Länder in Lateinamerika hartnäckig jegliche Einmischung ab. Dabei ist das Ausmaß des Raubbaus erschreckend und kann nur auf internationaler Ebene bekämpft werden.“ Die Abholzung der Regenwälder hat nicht nur verheerende Auswirkungen auf die Artenvielfalt, sondern ist auch mit Blick auf den Klimawandel unverantwortlich, da intakte Wälder eine entscheidende Rolle beim CO2-Abbau spielen.

Dr. Sandra Altherr ist auf der Konferenz unter 0031-6249 15529 erreichbar.