Presseinformation: Meeresschutz
Schutz der Meere zum Scheitern verurteilt?
UN-Naturschutzkonferenz: Fischereistaaten blockieren maritime Schutzgebiete
München, 5. Mai 2008. Vom 19. bis 30. Mai wird Deutschland Gastgeber der 9. UN-Naturschutzkonferenz (CBD) sein. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife fordert die Delegierten auf, endlich Kriterien für maritime Schutzgebiete festzusetzen. „Erst wenn es wissenschaftliche und ökologische Kriterien gibt, kann ein sinnvolles Schutzgebiets-Netzwerk für Meere und Küsten weltweit aufgebaut werden“, sagt Pro Wildlife-Sprecherin Dr. Sandra Altherr. Dieses Netzwerk ist eine der Maßnahmen, mit denen die UN-Konferenz bis zum Jahr 2012 das weltweite Artensterben stoppen will. Doch bislang konnte sich die Staatengemeinschaft nicht darauf einigen, wie ein Meeresschutzgebiet definiert wird.
Meere und Urwälder sind die Schatzkammern der Artenvielfalt. Um sie zu erhalten, müssen sie geschützt werden. „Wie sollen in den nächsten vier Jahren die Meeres-Schutzgebiete umgesetzt werden, wenn nicht einmal eine Entscheidungsgrundlage zustande kommt?“, kritisiert Altherr. Bislang gebe es keine Kriterien wie Artenreichtum oder Zustand, die ein Schutzgebiet erfüllen müsse. Die Fortschritte bei der Umsetzung der Schutzgebiete zu Lande seien ebenfalls enttäuschend.
Fischereistaaten blockieren
Auf dem Wissenschaftstreffen im Vorfeld der Konferenz stellte das CBD-Sekretariat mit Delegierten aus Portugal einen Kriterienkatalog für maritime Schutzgebiete vor. Doch einige Fischereistaaten blockierten. Vor allem Vertreter aus Island, Japan, den USA, Kuba und Brasilien wollten die Kriterien nicht akzeptieren. Sie stellen eindeutig die wirtschaftlichen Interessen der Fischerei-Industrie in den Vordergrund. Bereits auf der 7. CBD-Konferenz im Jahr 2004 wurde beschlossen, bis 2012 ein weltweites Schutzgebiets-Netzwerk für Meeres- und Küstenbereiche aufzubauen.
Auch die EU und das Gastgeberland Deutschland sind in der Pflicht. „Die EU muss ärmeren Ländern ein Vorbild sein und verstärkt dem Schwund heimischer Arten entgegentreten“, fordert die Biologin. Hierzu sei es dringend notwendig, das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 auszubauen, auch innerhalb der EU-Meeresgebiete. Dies bedeute auch ein drastisches Umdenken in der EU-Fischereipolitik.

