Presseinformation: CITES / Überfischung

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Roter Thunfisch: Endstation Sushi

EU streitet über Handelsverbot für vom Aussterben bedrohten Bestand

Tuna(c)NOAA

München, 5. März 2010 - Kurz vor Beginn der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) in Doha (Katar) am 13. März spaltet der Antrag Monacos, den Roten Thunfisch unter ein weltweites Handelsverbot zu stellen, noch immer die EU: Ein neuer Vorschlag der EU Kommission droht den Schutz des vom Aussterben bedrohten Speisefischs zu unterminieren. „Die EU schlägt zwar vordergründig vor, das Handelsverbot für Roten Thun zu unterstützen, gleichzeitig knüpft sie ihre Unterstützung aber an Bedingungen, die darauf ausgelegt sind, das Handelsverbot zu Fall zu bringen,“ sagt Daniela Freyer, die für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Die EU stellt mit 27 Stimmen den wichtigsten Stimmenblock der 175 CITES-Mitglieder. „Ohne die Zustimmung der EU wird es kein Handelsverbot für den Thunfisch geben“ so Freyer. „Die EU muss jetzt endlich die Notbremse für den König der Meere ziehen.“

Der „König der Meere“ endet als Sushi

Der Rote Thunfisch (Thunnus thynnus), auch Blauflossenthun genannt, ist ein Fisch der Superlative: Er wird bis zu 500 Kilogramm schwer und fünf Meter lang, erreicht 80 Stundenkilometer und taucht 900 Meter tief. Doch jahrzehntelange Überfischung brachte die Bestände an den Rand des Kollaps: Experten schätzen, dass es heute 85 Prozent weniger Rote Thunfische gibt als vor 50 Jahren. Im Westatlantik ist der Rote Thun vom Aussterben bedroht, im Mittelmeer und Ostatlantik stark gefährdet.

Die EU ist der größte Exporteur vom Roten Thun, der Großteil der Fangmenge geht nach Japan. Dort ist Blauflossenthun für Sushi oder Sashimi hoch begehrt. Auf einer Fischauktion in Japan erzielte ein einziges Tier kürzlich einen Rekordpreis von 130.000 Euro. „Der Zusammenbruch der Bestände geht auf das Konto der EU-Fischereiindustrie und der millionenschweren EU-Subventionen. Frankreich fängt weltweit den meisten Roten Thun. Immer größere Fangschiffe und leistungsfähigere Fangtechniken haben dazu geführt, dass die gefangenen Fische immer kleiner werden“, so Freyer.

„Die Internationale Kommission zur Erhaltung der Atlantischen Thunfischbestände (ICCAT), die den Fang regulieren soll, versagt seit 30 Jahren darin, die Überfischung zu stoppen. Die ohnehin zu hohen Fangquoten werden angesichts der horrenden Preise, die für Roten Thun gezahlt werden, regelmäßig überschritten. Die Lage des Roten Thun ist dramatisch. Ihn kann nur noch ein Handelsverbot vor der Ausrottung bewahren“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.

Tauziehen in der EU

In der EU, mit 27 Stimmen der wichtigste Stimmenblock in der EU, ist der Antrag ein Politikum, das höchste Regierungsetagen entzweit: Während viele Umweltminister das Handelsverbot befürworten, unterminieren die für Fischerei zuständigen Agrarminister den Schutz des vom Aussterben bedrohten Speisefischs, auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Entsprechend einigten sich auch die EU-Kommissare für Umwelt und Fischerei erst in letzter Minute auf einen höchst umstrittenen Vorschlag: Sie schlagen zwar vordergründig vor, den Antrag Monacos zu unterstützen, knüpfen dies aber gleichzeitig an Bedingungen, die darauf ausgelegt sind, das Handelsverbot zu Fall zu bringen. „Der Vorschlag der EU-Kommission, dass das Handelsverbot nur dann in Kraft treten soll, wenn die Internationale Thunfisch-Kommission erneut versagt hat, unterminiert nicht nur den Schutz des Roten Thun, sondern auch das gesamte Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Die EU muss endlich Farbe bekennen und das Handelsverbot ohne Wenn und Aber unterstützen, bevor es zu spät ist“, fordert Freyer. Der EU-Ministerrat entscheidet kommende Woche über eine gemeinsame Position zum Thunfisch-Schutz.