Bären

in

Rekordabschuss von Sloweniens Bären

Massentötung verstößt gegen EU-Recht – Droht wichtigster Bärenpopulation Europas das Aus?

München, den 5. Februar 2007. Im vergangenen Jahr zahlte die Braunbär-Population Sloweniens mit 126 Tieren den bisher größten Blutzoll. Nach Informationen der Artenschutzorganisation Pro Wildlife plant Slowenien, den Vernichtungsfeldzug auch 2007 fortzuführen und erneut weit über 100 Tiere zu töten. Europäische Braunbären (Ursus arctos) sind nach EU-Recht streng geschützt, ein Abschuss ist nur zur Abwehr individueller Gefahrensituationen zulässig. „In Slowenien findet eine systematische Ausrottungsaktion statt. Das macht u.a. auch Bemühungen zur Wiederansiedlung von Bären in den Alpen zunichte. Die EU muss endlich gegen Slowenien durchgreifen“ betont Daniela Freyer von Pro Wildlife.

2006 beherrschte der Abschuss von Braunbär Bruno in Bayern die Schlagzeilen. Im EU-Mitgliedsstaat Slowenien jedoch wurden in den letzten fünf Jahren fast 500 Braunbären getötet. Der weitaus größte Teil wurde von der Regierung zum Abschuss freigegeben, zudem kommen jährlich mehr als 20 Tiere durch Unfälle um. Die meisten Tiere werden ausgerechnet im Kerngebiet der Population erschossen, wo die meisten fortpflanzungsfähigen Tiere leben. „Für das Überleben der Europäischen Braunbären haben die Massaker in Slowenien fatale Folgen. In den vergangenen Jahren gab Slowenien einen Großteil des auf nur wenige hundert Tiere geschätzten Bestandes zum Abschuss frei“, kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin.

Mit den verheerenden Abschussquoten setzt sich Slowenien über klare Schutzvorschriften der EU hinweg. Braunbären sind in der EU streng geschützt, ein Abschuss nur in begründeten Einzelfällen zulässig. "Sloweniens Tiere sind für das Überleben bzw. die Wiedereinbürgerung von Braunbären in Mitteleuropa essentiell", betont die Biologin Freyer: "So stammen z.B. in Österreich und Italien angesiedelte Bären aus Slowenien." Die verbliebenen Bärenpopulationen in Mitteleuropa sind klein und zerstückelt. Sloweniens Bären gehören zum Kernstück einer Population, die sich auch über Österreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Jugoslawien, Albanien und Griechenland erstreckt. Neben Kroatien hat Slowenien bislang die stabilste Bärenpopulation.

Slowenien rechtfertigt seine eigenmächtigen Abschussquoten mit angeblich steigenden Bärenzahlen sowie steigenden Schadensersatzforderungen von Schafzüchtern. Bärenexperten halten die Regierungsschätzungen jedoch für massiv überhöht. „Dass mehr Schafe gerissen werden als früher, liegt nicht an einem Bärenboom, sondern schlicht an der Tatsache, dass der Staat ausgerechnet im Hauptverbreitungsgebiet der Bären die Ansiedlung der Viehzucht gefördert hat,“ erläutert Freyer.

Früher gab Slowenien jährlich 50 Bären zum Abschuss frei, doch 2002, kurz vor ihrem EU-Beitritt, ließ die Regierung erstmals über 100 Tiere töten. Dies stieß umgehend auf breite internationale Kritik. Slowenien reduzierte damals auf Druck – u.a. der EU, die seit 2002 ein Schutzprogramm für die slowenischen Bären finanziert – die Jagdquote. Seither stiegen die Abschusszahlen jedoch stetig an – und gipfelten im Tod von insgesamt 126 Tieren im Jahr 2006.

„Bären haben eine sehr geringe Fortpflanzungsrate. Die Abschusspraxis in Slowenien ist somit verheerend“, betont die Pro Wildlife-Sprecherin. Die Artenschützer fordern die EU auf, endlich Konsequenzen zu ziehen und der Dezimierung von Sloweniens Bären nicht länger tatenlos zuzusehen. „Wenn Slowenien nicht anders zur Räson zu bringen ist, muss die EU ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten“, so Freyer abschließend.