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Gestohlene Gorilla-Kinder kehren heim

64 Gorillas mussten für illegalen Zoo-Deal sterben – Affenwaisenhaus in Kamerun nimmt die Überlebenden auf

München / Limbe, den 4. Dezember 2006: Am 7. Dezember kehren vier Gorilla-Kinder in ihr Heimatland Kamerun zurück, wo sie vier Jahre zuvor für einen Zoo in Malaysia gefangen wurden. Damit endet ein jahrelanges Tauziehen zwischen Tierschützern, Artenschutzbehörden und den Zoos von Taiping (Malaysia) und Pretoria (Südafrika). Pro Wildlife unterstützt seit vielen Jahren das Affenwaisenhaus in Limbe (Kamerun), das nun die jungen Gorillas aufnimmt, und kämpfte seit Jahren für die Rückkehr der Vier. „Der Zoo in Malaysia behauptete, die Gorillakinder seien Nachzuchten aus Nigeria, doch das war eine Lüge“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Insgesamt 64 wilde Gorillas mussten sterben, damit der Zoo Malaysia sich mit den begehrten Jungtieren schmücken konnte.“

64 tote Gorillas hat der Zoo Taiping zu verantworten. Er hatte 2002 vier Gorillababys aus Nigeria gekauft, angebliche Nachzuchten des Zoos in Ibadan. Dort sitzt jedoch nur ein einzelnes Gorilla-Weibchen – Nachwuchs war hier also ausgeschlossen. Tatsächlich stammten die Gorillakinder Abbey, Iban, Oyin und Tinu aus den Regenwäldern Kameruns, dem Nachbarland Nigerias. „Um ein Gorillababy zu fangen, werden alle erwachsenen Familienmitglieder getötet – im Schnitt vier Tiere. Nur jedes vierte Gorillababy überlebt die Tortur des Fanges und des Transportes. Somit kommen auf ein gestohlenes Gorillakind 16 tote Artgenossen. Für den Verkauf der vier Gorillas an den Zoo Taiping mussten somit 64 Tiere sterben“, erläutert die Pro Wildlife-Sprecherin die Hintergründe.

Bevor die „Vier von Taiping“ 2002 nach Malaysia kamen, kursierte die Preisliste eines nigerianischen Tierhändlers, der vier Gorillababys zum Preis von 1,6 Millionen US$ anbot. So viel dürfte der Zoo von Taiping für die Publikumsmagneten gezahlt haben.

Nur kurze Zeit nach dem illegalen Transfer wurde bewiesen, dass die Gorillas keine legalen Nachzuchten waren. Bereits im Oktober 2002 kämpfte Pro Wildlife gemeinsam mit anderen Organisationen für die Rückkehr der Tiere. Jahrelang sträubte sich Malaysia, die illegalen Tiere an das Ursprungsland Kamerun herauszugeben. 2004 schließlich setzte der Weltdachverband der Zoos (WAZA) entgegen dem Widerstand Kameruns durch, dass die Tiere an den Zoo Pretoria abgegeben wurden. „Somit profitierte ein zweiter Zoo schamlos von dem illegalen Deal, der dutzende Tiere das Leben kostete, und hatte für ebenfalls zwei Jahre Kassenschlager“, kritisiert Altherr.

Erst nach jahrelangem Tauziehen von Tierschützern konnte nun die Rückkehr der vier Gorillakinder nach Kamerun durchgesetzt werden. Die Tiere kommen am Donnerstag in das Affenwaisenhaus nach Limbe, Westafrika, das Pro Wildlife seit 1999 fördert. Hier sollen sie erstmals wieder ein artgerechtes Leben in einem familienähnlichen Verband lernen, um sie eventuell künftig wieder auswildern zu können. Zudem leistet die Affenstation intensive Öffentlichkeitsarbeit – u.a. um solche illegalen Machenschaften künftig zu verhindern. Über 130 bedrohte Affen versorgt die Station derzeit, darunter bisher 11 Gorillas.