Wildkatzen
Weltkatzentag: SOS für wilde Samtpfoten
Millionen Hauskatzen werden liebevoll umsorgt – um viele Wildkatzenarten steht es dagegen schlecht
München, den 4. August 2006: Während 7,6 Mio. Hauskatzen in Deutschland liebevoll verwöhnt werden (Umsatz für Futter und Zubehör in 2005: 1,4 Mrd. Euro*), droht vielen wilden Verwandten die Ausrottung. Anlässlich des Weltkatzentages am 8. August macht Pro Wildlife auf die besorgniserregende Situation der weltweit 36 Wildkatzenarten aufmerksam: „Die Bedrohung der Tiger ist weitgehend bekannt, doch wer weiß schon um die massive Gefährdung von Löwe und Anden-Bergkatze?“, betont Biologin Daniela Freyer von Pro Wildlife. Die Artenschutzorganisation will anhand konkreter Beispiele für den Schutz von Wildkatzen werben. Die bedrohteste Wildkatze lebt in Europa, doch auch in anderen Regionen ist es um die wilden Samtpfoten schlecht bestellt.
Verfolgt, vertrieben, von Haustieren mit tödlichen Krankheiten infiziert – das ist das Schicksal der meisten wildlebenden Katzenarten. 26 der 36 Arten sind auf der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten aufgeführt – prominentestes Beispiel ist der Tiger. Pro Wildlife will anlässlich des Weltkatzentages auf das Schicksal von Wildkatzen in aller Welt aufmerksam machen:
- Der IBERISCHE LUCHS (Lynx pardinus) ist akut vom Aussterben bedroht: Nur knapp über 100 geschlechtsreife Tiere gibt es, aufgesplittert in voneinander isolierte Populationen im Süden Spaniens. Vor 20 Jahren waren es noch 1.000 Tiere. Hauptursachen dieses Rückgangs sind Jagd und Zerstörung des Lebensraumes.
- Die ANDEN-BERGKATZE (Oreailurus jacobitus) ist in der Roten Liste als bedroht eingestuft. Die langhaarige, grau-braun gefleckte Katze lebt in den Anden in einer Höhe über 3.500 Meter. Vor allem die intensive Bejagung reduzierte den Bestand auf 2.500 Tiere, die zudem in isolierten Populationen leben.
- Der ASIATISCHE LÖWE (Panthera leo persicus) steht kurz vor der Ausrottung: Ehemals weit über Asien verbreitet gibt es heute nur noch eine einzige Population von 250 adulten Tieren im Nordwesten Indiens.
- Der einst nahezu über den gesamten Kontinent verbreitete AFRIKANISCHE LÖWE (Panthera leo leo) ist inzwischen in zahlreichen Ländern ausgerottet (z.B. Togo, Sierra Leone, Gabun), in anderen Ländern auf wenige hundert Tiere dezimiert. Der Gesamtbestand ist auf ca. 23.000 Tiere geschrumpft, mit weniger als 10.000 fortpflanzungsfähigen Exemplaren. Größte Gefahren sind Jagd, eingeschleppte Krankheiten (z.B. Staupe) sowie Lebensraumzerstörung.
- Der Bestand der ebenfalls als bedroht eingestuften BORNEO-GOLDKATZE (Catopuma badia) wird auf weniger als 2.500 Tiere geschätzt, Tendenz fallend. Jahrzehntelang galt sie als ausgerottet, bis sie 1992 wieder gesichtet wurde. Größte Gefahr ist die fortschreitende Abholzung der Regenwälder auf Borneo.
„Katzen üben auf den Menschen eine besondere Faszination aus. Doch wenn wir nicht die Notbremse ziehen, werden viele Wildkatzen schon bald aus der Natur verschwunden sein“, so die Pro Wildlife-Sprecherin abschließend.
* laut Industrieverband Heimtierbedarf (IVH): Umsatz- und Strukturdaten 2005



