Wale und Delfine

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Keine neue Delfinqual in Deutschland, Frau Merkel!

Scharfe Kritik an geplantem Delfinarium auf Rügen

München, den 4. Juni 2007: Pro Wildlife hat in einem offenen Brief Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, den in ihrem Wahlkreis geplanten Bau eines neuen Delfinariums auf Rügen zu stoppen. „Während im aktuellen Jahr des Delfins weltweit Projekte zum Schutz der kleinen Meeressäuger laufen, wird ausgerechnet in Deutschland ein neues Kapitel massiver Tierquälerei vorbereitet“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Fünf Große Tümmler* (Tursiops truncatus) sollen in Glowe, Rügen, künftig ein karges Dasein in Betonbecken fristen, um Touristen anzulocken und die Millioneninvestitionen zu amortisieren. Pro Wildlife hat den Großen Tümmler, der Allgemeinheit aus der TV-Serie „Flipper“ bekannt, zum Delfin des Monats Juni ernannt und zum Protest bei Frau Dr. Merkel gegen das Delfinarium aufgefordert.

Seit 2006 laufen über 20 Tier- und Artenschutzverbände Sturm gegen den geplanten Neubau eines Delfinariums auf Rügen. „Während in anderen EU-Ländern ein Delfinarium nach dem anderen geschlossen wird, setzt man ausgerechnet in Deutschland auf einen Ausbau, obwohl eine artgerechte Haltung von Delfinen in Betonbecken nicht möglich ist“ kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin.

Vier Delfinarien gibt es derzeit in Deutschland (Heidepark Soltau sowie die Zoos Duisburg, Nürnberg und Münster), mit insgesamt 15 Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), zwei Amazonas-Delfinen und einem Amazonas-Sotalia. Auch für das Delfinarium auf Rügen sollen offenbar Große Tümmler eingesetzt werden. „Eine unserer zentralen Fragen ist, wo sollen die neuen Tümmler herkommen? Die in der EU in Gefangenschaft lebenden Tiere züchten sehr schlecht, und Wildfänge dürfen für kommerzielle Zwecke nicht importiert werden“, erläutert Altherr. Sie befürchtet, dass die für Rügen geplante Delfintherapie als Deckmantel herhalten soll, um das EU-Importverbot für kommerzielle Zwecke zu umgehen.

Große Tümmler sind wegen ihres freundlichen Aussehens, ihrer akrobatischen Fähigkeiten und ihrer Popularität als „Flipper“ wahre Publikumsmagneten. Doch die Besucher von Delfinarien vergessen bei den spektakulären Sprüngen, Salti und Sprints, dass die Tiere in Gefangenschaft leiden: „Die Betonwände stören ihr Echolot und ihre Kommunikation, die Delfine verstummen. Die kleinen Becken unterbinden zudem ihren immensen Bewegungsdrang“, betont Biologin Altherr. „All dies sind schlechte Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tierhaltung.“ Und die Zahlen geben ihr recht: Im letzten Jahr starben allein im Tierpark Nürnberg vier Delfine – drei Kälber und ein erwachsenes Tier.

Dass nun ein neues Delfinarium gebaut werden soll, ist für die Tierschützer skandalös: In Rügen sollen die Delfine täglich mehrere Stunden als Therapietiere und zudem in Shows eingesetzt werden. „Die dauerhafte Nähe zum Menschen, die Enge der Becken und das Schwimmen in stark gechlortem Wasser sind allesamt stark belastende Faktoren“, so die PRO WILDLIFE Sprecherin. Sie fordert von Bundeskanzlerin Merkel, zu deren Wahlkreis Rügen gehört, diesen unverantwortlichen Bauplänen einen Riegel vorzuschieben.

* Große Tümmler sind an ihrer auffälligen sichelförmigen, dunklen Finne (Rückenflosse) zu erkennen. Sie erreichen eine Körperlänge von über 3,5 Metern und ein Gewicht von maximal 650 kg. In Freiheit legen sie täglich Entfernungen von bis zu 100 km zurück und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 55 Stundenkilometern.