Urwaldschutz

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Tropenholz und die große Ökolüge

Analyse von Pro Wildlife zeigt die Bedrohung von Affen durch die Tropenwaldzerstörung und die Gefahren sog. „Ökosiegel“ auf

München, den 4. Mai 2004 – Ein heute von Pro Wildlife veröffentlichter Bericht dokumentiert die verheerenden Folgen des Tropenholzhandels auf Primaten. Während v.a. große Affenarten alarmierende Bestandsrückgänge erleiden, wird in der öffentlichen Wahrnehmung Tropenholz wieder enttabuisiert. In der Kritik stehen dabei auch diverse Ökosiegel, darunter das von der Bundesregierung und einigen Umweltverbänden geförderte FSC-Zertifikat. „Fazit unserer Analyse ist: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann“, betont Dr. Sandra Altherr, Autorin der Studie. Die Münchner Artenschutzorganisation fordert ein Umdenken bei Konsumenten und Regierung.

Der Pro Wildlife Bericht „Affenschande – Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten“ gibt einen Einblick in die nach wie vor zerstörerische Holzwirtschaft in Indonesien, Malaysia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Darüber hinaus werden diverse Ökosiegel und Herstellerangaben zur Herkunft von Tropenhölzern analysiert. Wichtigste Ergebnisse der Studie sind:

  • SOS für Affen: Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hochbedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) leiden direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags
  • Holzeinschlag und Wilderei sind eng miteinander verflochten: Wilderer nutzen die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgen die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts sind Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch wird mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert.
  • Unkritische Kunden: Bei einer Pro Wildlife Umfrage hielten 58,64% das FSC-Zertifikat für glaubwürdig, 41,35% die Angabe „Kontrollierter Plantagenanbau“. Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni wissen die Kunden i.d.R. nicht, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti werden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte entsprechend unkritisch gekauft.
  • Plantagen sind keineswegs ökologisch unbedenklich, sondern haben häufig dramatische Auswirkungen auf die Umwelt: Primärwälder werden eigens für Plantagenanlagen gerodet, Monokulturen laugen die nährstoffarmen Tropenböden aus. Hoher Pestizid-Einsatz belastet das Grundwasser, schnell wachsende tiefwurzelnde Kulturpflanzen (wie z.B. Eukalyptus) senken den Grundwasserspiegel.
  • Das von einigen Umweltverbänden und der Bundesregierung unterstützte FSC-Zertifikat ist kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder: Holzeinschlag darf sogar in Primärwäldern erfolgen, bis 30% des Holzes eines FSC-Produktes darf aus nichtzertifizierten Quellen stammen, bei Produkten aus Holzfasern und –Chips sogar bis 82,5%. FSC steht zudem unter Erfolgsdruck, Marktanteile zu gewinnen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Holzfirmen mit illegalen Rodungsaktivitäten das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) erhalten.
  • Deutschland ist mit geplanten 125 Mio. € / Jahr weltführender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Gelder fließt bislang auch in die Weiterentwicklung des FSC-Siegels sowie in Entwicklungshilfeprojekte in ökologisch hochsensiblen Gebieten. „Damit trägt die Bundesregierung eine ganz besondere Verantwortung, fährt dabei allerdings einen gefährlichen Kurs“, so die Pro Wildlife-Expertin.