Exotenhandel
Welttierschutztag 2003: Wildtiere als Wegwerfware?
Handel mit exotischen Heimtieren entwickelt sich zu einem der größten Tierschutzprobleme in Deutschland
München, den 2. Oktober 2003 – Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober warnt Pro Wildlife vor einem alarmierenden Trend zum exotischen Haustier: Millionen Wildtiere leiden und sterben in deutschen Wohnzimmern, weil ihre hohen artspezifischen Ansprüche z.B. an Klima und Ernährung nicht erfüllt werden. "Wildtiere sind billig und einfach im globalen Supermarkt erhältlich – für Nachschub ist nahezu unbegrenzt gesorgt", so das Fazit der Biologin Daniela Freyer von Pro Wildlife. Haltung und Handel von Wildtieren in Deutschland sind weitgehend unkontrolliert. Über Zoogeschäfte, Internet, Tierbörsen und Kleinanzeigen können selbst unerfahrene Tierhalter nahezu alles besorgen: vom Raubtier über Gift- und Riesenschlangen bis hin zu Affen. Der weitaus größte Teil dieses Handels ist dabei sogar legal – mit schlimmen Folgen für den Tier- und Artenschutz.
Leiden und Sterben exotischer Haustiere – dieses Thema ist aktueller denn je. Unter deutschen Dächern hat sich in den letzten Jahren das Problem immer weiter verstärkt:
- Das Artenspektrum exotischer "Haustiere" hierzulande wächst unentwegt: Prachtfinken, Fledermäuse und Korallenfische aus Südostasien, Chamäleons und Schildkröten aus Afrika, Kleinbären und Gürteltiere aus Lateinamerika – Dies ist nur ein kleiner Auszug der Wildtiere, die in deutschen Haushalten vor sich hin vegetieren. Sogar knapp 30 Affenarten werden von Privatleuten gehalten und z.T. als Kindersatz missbraucht.
- Noch immer stammen neun von 10 importierten Papageien aus freier Wildbahn. Viele der Wildfänge sterben bereits während Fang oder Transport, die überlebenden landen nach oft wochenlanger Odyssee geschwächt beim Endbesitzer. "Aus ihrem Schwarm in freier Wildbahn gerissen sind die meisten dieser armen Kreaturen hier zu einem Leben in Einsamkeit verdammt", erläutert Freyer.
- Hunderttausende Reptilien werden jährlich aus tropischen Ländern importiert. Viele von ihnen erkranken in Gefangenschaft: Verletzungen, Mangelerscheinungen, eine Vielzahl von Krankheiten wie z.B. Gicht, Lungenentzündung sowie frühzeitiger Tod sind die Folge falscher Ernährung und schlechter Haltungsbedingungen.
- 200.000 Riesenschlangen und 100.000 Giftschlangen leben nach Schätzungen von Insidern in deutschen Haushalten. Gerade gefährliche Tiere werden wegen der riskanten Handhabung oft vernachlässigt und schließlich ausgesetzt oder verenden jämmerlich.
- Die über 3 Millionen Aquarien in Deutschland sind mit ca. 80 Millionen Zierfischen besetzt. Dieser Besatz wird durchschnittlich viermal pro Jahr ausgetauscht – ein Jahres"verbrauch" von 320 Millionen Zierfischen allein in Deutschland.
Pro Wildlife kritisiert das Fehlen gesetzlicher Regelungen für die Haltung exotischer Tiere: "Hinz und Kunz kann sich nahezu jedes exotische Wildtier zulegen und unter unzumutbaren Bedingungen in Wohnzimmer oder Garage halten. Der Gesetzgeber darf die Augen vor diesem Problem nicht länger verschließen und muss Haltung und Handel von Wildtieren streng regeln", so die Pro Wildlife-Sprecherin abschließend.



